Ohne Eile im Gebirge

Der letzte Eintrag hieß „Ohne Eile auf dem See“. Was ist los mit uns? Es gibt manchmal keinen Grund schnell zu sein. Wenn es schön ist, warum soll man die schöne Zeit schnell verstreichen lassen? Vielleicht haben ältere Leute mehr Gelassenheit als jüngere.

Wir waren jedenfalls zum Hochhädrich ohne Eile unterwegs. Noch stehen die Lifte, aber Schneekanonen sind bereit. Die Pistenrasen sind glatt wie Golfgelände. Sanft gehts hoch bis man drüben auf die andere Bergseite sieht. Klarer Blick bis zur Schwäbischen Alb. Dann wird das Gelände richtig gratig. Stabile Seile sichern das Gelände. Angst kommt keine auf. Ich kann mich ja am Seil festhalten. Opas am Grat, langsam, bedächtig. Zwei junge Burschen knattern mit ihren Enduros hoch. Wir machen Brotzeit mit weiter Sicht nach allen Seiten. Bis zum Falken gehen wir den Grat, dann steil abwärts bis zu den Weiden und zurück zur „Alpenarena“ mit dem klotzartigen Hotel mitten in der schönen Gebirgsgegend.

Eine fröhliche, schöne Wanderung.

Ohne Eile auf dem See

Am Anker vor dem Bojenfeld bei Airbus: Immer schön und nichts besonderes. Auf der Überfahrt nach Arbon guter Wind. In Arbon am Anker in der schönen Bucht: Regenschauer mit Sonne. Optimal für einen farbenfrohen Regenbogen. Vor Sonnenuntergang zeigen sich die wunderbar klaren Farben kontrastreichen Farben.

Den Alten Rhein einen guten Kilometer hoch: Langsam, nicht nur wegen der Enge des Fahrwassers, sondern auch wegen der Urwaldlandschaft. Zweige hängen übers Wasser. Die Wurzeln erinnern an Bilder von Mangroven mit ihren Verästelungen, die ins Wasser tauchen. Enten knabbern an den Wasserpflanzen und Reiher beobachten regungslos stehend die Wasseroberfläche. Langsam breiten sie die Flügel aus, stoßen sich leicht ab und gleiten ein paar Meter weiter. Den kleinen Wetterwinkel-Hafen erreichen wir jetzt noch mit 50 cm Wasser unterm Kiel. Wenn im Winter der Pegel weiter sinkt, ist er für uns unerreichbar.

In Bregenz treffen wir Joachim. Nur ein paar Minuten sinds von ihm bis hierher aufs Schiff. Wir essen und unterhalten uns während die Sonne untergeht. Mächtiger Föhn wird morgen den See angreifen. Jetzt schon werden die Berge von schweren Böen in Sturmstärke umweht wie Meteo Swiss im Internet anzeigt. Unten bei uns weht nur ein außergewöhnlich warmes Lüftchen. Weil man nie weiß, wann der Föhn zu uns „durchbricht“, starte ich um 7 Uhr, während Gerdi noch schläft. Ich reffe die Genua etwas und schalte den Steuerautomat ein. Ein wunderbares Segeln. Ich könnte viel mehr Segel setzen, aber dann könnte ich diese besondere Morgenstimmung mit dem Windchen, der mich warm umweht, nicht genießen. Erst am nächsten Tag wirft der starke Wind einige Schiffe aufs Land und hindert die Ausflugsschiffe am Anlanden.

Sonnentage im Bregenzerwald

Unser Wanderfreund hat Geburtstag und zwei andere fast mit ihm. Wir sind auf eine Hütte im Bregenzerwald eingeladen. Wir sitzen beieinander, essen, zeigen Bilder vergangener Berg- und Skitouren. Höhepunkte sind aber drei Wanderungen.

Die erste führt uns in großer Runde etwas in die Höhe, vorbei an Almen und wieder zurück zur Hütte. Auf der Ochsenhofalpe schildert uns ein Bauer sein arbeitsreiches Leben dort oben auf den Sommerweiden. Weiter unten im Eggatsbergvorsäss kommen wir ins Gespräch mit einer Bäurin. Aus einem Holzkasten verkauft sie Käse von hier im Ort. Alles auf Treu und Glauben. Geld in den Kasten, Käse rausnehmen. Völlig überraschend schenkt sie uns ein ordentliches Stück. Ein Teil davon essen wir als Spazierbrotzeit. Unser Geburtstagskind hat einen großen Topf Gulaschsuppe mitgebracht. Bier und Wein runden den Abend ab.

Am zweiten Tag sollte es nur auf den Tristenkopf gehen, etwas über 1700 m hoch, 700m hochlaufen. Der steile, feuchte Weg mit den hohen Tritten erscheint manchen für den Rückweg doch zu gefährlich. So wandern wir nach einer Brotzeit auf dem Gipfel auf guten Pfaden und Wegen rüber zur Niederen und fahren mit der Sesselbahn nach Andelsbuch runter. Der Bus nach Egg hat starke Verspätung und so ist der letzte Bus von dort nach Schetteregg schon weg. Also gehen wir etwas früher zum Abendessen ins China-Restaurant. Buffet sehr gut! Fingerübungen mit Stäbchen. Aber wie heimkommen? Kurzerhand fährt ein Mitarbeiter zwei von uns nach Schetteregg. Wir folgen dann im eigenen, runter geholten Auto später. Freundliche Leute!

Letzter Tag, kleine Wanderung aufs Hochälpele mit kurzem Umweg zur Talstation in Andelsbuch. Ein Paar Wanderstöcke von uns blieben im Berghaus auf der Niederen zurück. Ein Anruf dort: Die Wirtin bringt die Stöcke zur Seilbahn. Unten nehmen wir sie in Empfang. Auf dem Hochälpele gibts die gute Speckknödelsuppe. Unser Freund von Kirchen und Kapellen führt uns zur Kapelle beim Anwesen Hämmerle. Zu guten Zeiten hat der Unternehmer inmitten seiner Länderei eine nette Kapelle erstellen lassen. Der Erbe, der jetzt dort oben wohnt, holt den mächtigen Schlüssel und erläutert uns Entstehung, Bauart und Inventar. Wieder so ein freundlicher Zeitgenosse. Noch ein kleiner Abstieg und am Bödele-Parkplatz endet unsere gemeinsame Zeit. Danke den Spendern, es war wirklich schön!

Die NIEDERE auf einsamem Weg

Ruppert hat diesen Weg ausgesucht. Eigentlich laufen viele Leute auf die Niedere. Aber nicht auf diesem Weg. Zum einen verliert sich der Pfad, das ist aber mit Karte und GPS kein Problem, zum Anderen windet sich der Pfad ein Stück auf feuchtem Untergrund steil in die Höhe. Weiter oben, dort wo Wiesen den Wald ablösen eröffnet sich eine gute Sicht weit übers Land. Die Niedere ist mit 1711m nicht hoch, dennoch reicht auf der einen Seite der Blick über den Bodensee weit ins flache Land. Auf der anderen Seite begrenzen zackige Berge den Horizont.

Herbst ist es geworden bis zur ersten Bergtour. Corona und Anderes hat uns ein Bein gestellt. Jetzt aber, wo die Laubbäume dort oben schon gelb werden. gehen wir langsam auf dem Höhenrücken. Zwei Seilbahnen haben nun doch viele Besucher hier hoch gebracht. Eine kurze Brotzeit und eine schnelle Radler mindern das Vergnügen etwas. Wir wollen noch mit der alten Sesselbahn vor Betriebsende runter nach Andelsbuch. Die Seilbahn zockelt schön langsam und man kann die Gleitschirmflieger verfolgen, die über und unter uns ihre Kreise ziehen.

Wieder einmal über sieben Hügel

Der Rheintalgletscher der letzten Eiszeit hat -gottseidank – als er „gestorben“ ist, das Geröll aus den Bergen hier in Oberschwaben zur Seite geschoben und uns als Erbe hinterlassen. Daraus wurden die netten, sanften Hügel über die wir auch heute unterwegs sind; mal über freies Gelände, dann wieder durch schattige Wälder. Immer wieder vorbei an einsamen ehemaligen Hofstellen, jetzt meist schicke Häuser mit Spielgeräten vor der Tür.

Ich vergleiche unsere kleinen Örtchen mit denen an der Ostsee. Freunde reisen mit ihrem Motorschiff „Troll“ den Sommer über in Dänemark und schildern die netten, heimeligen Orte und Häuser dort mit viel Liebe. Warum sind die Orte bei uns nüchterner, moderner, nicht so heimelig? Sind wir umtriebiger und gönnen uns öfters einen Umbau? Oder halten die Behörden an der Küste mehr am Althergebrachten fest? Aber die Landschaft, die kann locker mit der an der Küste mithalten, zumal bei uns die hohen Berge einen wunderbaren Hintergrund abgeben.

An einer Haltestelle (der Bus kommt zweimal am Tag) liegt in einer Metallschachtel ein Heftchen und jeder der vorbeikommt möge ein Gedichtchen eintragen. Eines:

Als ich aus dem Wald kroch,

Freute ich mich übers Katzenloch.

(Katzenloch heißt der Weiler an der Haltestelle)

Wir begegnen nur wenigen Wanderern, die halten sich mehr in Bodenseenähe auf. Ist gut so! Unsere Wanderung startet bei Nubers Café und endet auch dort bei Nubers Café und IdeenReich. Ein netter Ort, die Tische stehen am Hang im Freien in so einer Art Separee, alle mit einem Namen versehen. Man sitzt z.B. nicht an Tisch Nummer 5, sondern im Separee Afrika. Uberall steht alter Krempel rum, den man auch kaufen kann.

Eine nette, abwechnungsreiche Wanderung, 9 Km lang.

Urlaubstage auf dem See Teil 3


Sonntag, 29. August

Die Nacht bleibt ruhig. Vor und hinter unserem Schiff schleudern Angler ihre Köder in den braunen Fluss. Es regnet, aber die Angler stört das scheinbar nicht. Gerdi legt ab und die Wetterharten winken uns fröhlich zu. Alles Grau in Grau, es regnet Schnürl. Es macht keinen Sinn, den Wetterbericht zu verfolgen. Wenn man sich mit diesem Wetter abgefunden hat ist es auch schön. Wer hadert wird die Reise abbrechen. Langsam ziehen die Ufer an uns vorbei. Reiher, Enten und Seeschwalben bevölkern Schilf und Altwässer. Der Alte Rhein bildet die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Übernachtet haben wir auf österreichischer Seite, jetzt biegen wir in die Schweiz ab, tauschen die Gastflaggen und setzen Segel. Im Dunst zeigt sich nur das Schweizer Ufer. Es regnet aus Kübeln. Eine Wolke verbirgt kurze Zeit auch das Schweizer Ufer und zieht langsam gen Süden. In Horn legen wir wieder an.
Abends – es gießt immer noch aus Kübeln – gehen wir in die „Traube“. Dicht an Dicht stehen/ sitzen dort an der „Meeting Bar“ die vielen Gäste einer Geburtstagsfeier. Ganz anders als bei uns in Deutschland. Wir nehmen in der Gaststube Platz. Zu Essen gibt’s Fischknusperli, serviert von Olivia, die sich Zeit nimmt, mit uns zu plaudern trotz der vielen Geburtstagsgäste. Der Tag endet mit Regen wie er auch begonnen hat.

Montag 30. August
6,14 Uhr am Morgen. Im Gegensatz zu Ankerplätzen gibts hier im Hafen Duschen. Und da klingelt ein einsames Handy am Hafenmeisterbüro. Weckruf und kein Mensch da. Ich daddle etwas darauf herum und entdecke eine Telefonnummer. Die rufe ich an. Es ist zwar nicht der Besitzer aber ein Freund der mit ihm am späten Abend hier war. So findet sich was zusammengehört.
Sehr gute Hörnle vom Bäcker bereichern das Frühstück. Erst kurz vor 12 legen wir ab, setzen Segel und verkleinern sie bald wieder. Am Wind eilt EOS auf direktem Weg nach Immenstaad in den Hafen. Eine schnelle, schöne Überfahrt am Wind! Gerdi bäckt 3 Uhr-Pfannkuchen. Sehr gut. Regenschauer und Wolkenlücken lösen sich ab, unser guter Reisewind schläft ein. EOS schaukelt ganz leicht an der Kaimauer.


Wir fahren immer gerne in diesen schönen Hafen, er ist nicht zu groß, hat angenehme Sanitärräume, ein gutes Gasthaus und freundliche Mitglieder. So ergibt sich auch noch eine nette Bierstunde am ovalen Clubtisch. Und der Gastwirt kann auch noch an einem guten Abendessen verdienen. Auf der EOS hören wir noch einen Ulligunde-Podcast über eine Bergsteigerin, die nach einem überaus schweren Sturz wieder zurück in ihr Leben findet und diese schwere Zeit sehr einfühlsam schildert. Der Himmel hat sich ausgeregnet und eine ruhige Nacht beendet den regenreichen Tag.


Dienstag 31, August

Vom Liegeplatz an der Einfahrt leuchten schon die beiden roten Lichter auf den Kirchturmspitzen der Schlosskirche in Friedrichshafen. Nur noch ein paar Kilometer und wir sind wieder im Heimathafen.
Die jährliche Überholung der EOS steht an. Morgen wird sie in Kressbronn bei Ultramarin ausgekrant, ich inspiziere das Unterwasserschiff, strahle es ab und walze einen neuen Antifouling- Anstrich auf. Die Bordwand wird poliert und gewachst, die Genua nachgenäht und u.U. das Roll-Großsegel angepasst oder erneuert.
Dann können Herbst und Winter mit hoffentlich schönen Segeltagen kommen.

Urlaubstage auf dem See Teil 2

… wir sind geblieben. Ruhetag am Anker. Draußen fegen die Schiffe mit gerefften Segeln. Wir hättens auch tun können, wollten aber nicht. Statt dessen ließen wir den windigen, kühlen Tag ereignislos verstreichen. Ereignislos? Auch auf unseren 20 qm dort bleiben wo man ist, die Schauspiele auf dem Wasser und in der Luft zu verfolgen sind Ereignisse.

Mittwoch 26. August
Kühler Nordost-Wind hat die warmen Sonnentage abgelöst, aber er bringt uns mit halbem Wind bis ans Seeende im Überlingersee. Ratz fatz ohne Unterbrechung durch die sonst so wechselhaften Windverhältnisse in diesem Überlinger Gewässer. Im „Löchle“, einem ehemaligen Lettenloch, umgeben von hohen Bäumen, jetzt Naturschutzgebiet, zwängen wir uns zwischen zwei Dalben, genau 3m breit. Ein Bekannter aus Freund Jörgs Zeiten berichtet von der Biberfamilie, die hier wohnt. Durch kluge Entscheidungen bei der Futterbereitstellung sind Biber und Mensch zufrieden. Die Behörde hält die Hand auf das Hafengelände und verhindert so Erweiterungen. Wir kommen gerne hier her. In Ludwigshafen kaufen wir ein paar Lebensmittel. Abends gibt’s Ratatouille zum Essen und einen Ulligunde-Podcast zum Hören.

Donnerstag 27. August
EOS schleicht bei wenig Wind die 18 km bis in die Bucht nördlich der Insel Mainau. Ein grauer, kühler Tag, unterbrochen durch einen Stop in Wallhausen zum Tanken und Fäkalien absaugen. Nur zwei weitere Segler ankern in dieser großen Bucht. Besonderes gibs nicht, nur vielleicht das Halssteak vom Grill am Heck. Das ist eine feine Sache, der Wind facht das Feuer an und der Rauch wird weggeweht.

Freitag 27. August
Der Tag schaut gut aus, kühl aber mit Wolkenlöchern. Mit Motorkraft geht’s bis zur Fährschifflinie. Dan genügt der Wind. Güttingen und Romanshorn waren Ziele, schließlich kommen wir bis Arbon an unseren Ankerplatz. Schuld sind dunkle Wolken aus denen zwar nur ein paar Tropfen fallen, aber für schön starken Wind sorgen. Mit gerefften Tüchern segeln wir angenehm und schnell. Erst auf Höhe Romanshorn schläft der Wind ein und der Volvo muß ran.
Die Bucht von Arbon ist einer der Lieblingsplätze. Die Fische müssten unsere Kette und den Anker kennen. Auch der Schwan mit seinem halbwüchsigen Jungen kommen sofort. Es sitzt sich angenehm windgeschützt hinter der Sprayhood in der warmen Sonne. Wasser 19 Grad, Gerdi steigt hinein.

Samstag 28. August
Der Himmel bietet einiges: Etwas Wind, Regenwolken, Sonnenlöcher. Die Berge sind auf 700m wie mit dem Messer abgeschnitten. Gleich nach dem Start holt uns Regen ein. Der Wind nimmt zu und wir verkleinern die Genua. Nach 30 Minuten ist alles wieder wie vorher. Als der Alte Rhein noch der „richtige“ Rhein war, hat er sich unter Wasser ein riesiges, tiefes Bett gegraben mit Bergen und Wänden, wie man auf der Grafik des Echolots sehen kann. EOS biegt in diesen Graben ein und folgt flussauf. Nachdem man dem Rhein ein neues gerades Bett aufgezwungen hat, entwässert der Alte Rhein nur mehr die nördlichen Zuflüsse. Geblieben ist ein wunderbares Naturgebiet. Im Mündungsgebiet nisten Seeschwalben. Schade, mir sind die Vögel in den Flachwasserbereichen unbekannt. So tingeln wir im Schneckentempo das überaus gut bezeichnete Fahrwasser hoch. Rechts und links nur Natur. An einer Spundwand legen wir für die Nacht an. Alles erinnert uns an die vielen Flussreisen auf Saone, Rhone, Donau.
Segeln ist kein Körpersport. Darum spannen wir die Regenschirme auf und laufen die eintönige Strasse bis zur Brücke nach Rheineck. Eisenbahngleise und Autobahn zwängen sich zwischen Rhein und dem Dorf. Autos rasen in der Regengischt. Lärm pur. Auf absurde Art schön. Wir gehen wieder zurück. Der Regen nimmt zu und klatscht auf unsere Schirme.
Zum Schluss noch eine Fleißaufgabe: Der Wassertank ist leer. Mit dem 10 Liter-Kanister trabe ich viermal zum Wetterwinkel-Yachtclub und „stehle“ Wasser. Die Nacht im Schiff ist so ruhig, man hört das eigene Rauschen des Blutes im Ohr.

Tage auf dem Bodensee, Teil 1

Dienstag 17. August
Eine kurze Fahrt nach Arbon zum Ankerplatz. Mittlerweile müssten wir den Arboner als geizige Ankerer bekannt sein, die sich Hafengebühren ersparen möchten. Dabei geht es uns um die freie Ümgebung und die weite, immer wechselnde Sicht.

Mittwoch, 18. August
Wir segeln weiter, vorbei an der Mündung des Neuen Rheins in den Sporthafen von Bregenz. Wir liegen dort an einer Mooring, das ist selten am Bodensee. Wir treffen uns mit Joachim am „Milchpilz“ einem etwas unscheinbaren fliegenpilzartigen, kleinen Kiosk. Früher gabs in Bayern als Milchwerbung viele davon. Jetzt noch sechs und einer davon steht hier und steht unter Denkmalchutz, diese liebgewonnene Bregenzer Institution. Dann gutes Eis vom „Kolibri“. Gibts noch Karten für „Rigoletto“ auf der Seebühne? Alles ausverkauft laut Internet. Aber an der Kasse sind noch zwei Plätze in der Direktionsloge frei. Etwas teuer und wir gehen wieder raus – und gleich wieder zurück. Schließlich waren wir ein Jahr ohne Ausgaben für die Kultur.


Ganz oben, weiche Sessel, überdacht, beste Sicht. Man kann nur sagen: Spektakulär! Nicht das Stück selbst. Da gehts um Liebe, Verrat, Rache. Angestaubte Oper. Aber die Aufführung! Ein hausgroßer Clownkopf. Mund, Augen und Lieder bewegen sich, ja der ganze Kopf senkt, hebt und schwenkt sich. Eine Hand mit beweglichen Fingern. Überall hängen und stehen Schauspieler. Schon der Beginn ist ei Knaller. Im plötzlichen Scheinwerferlicht springt ein Clown aus der Stirn in 20m Höhe und begrüßt die Zuschauer. Rigolettos Tochter entschwebt nach ihrer Ermordung in einem gasgefüllten Fesselbalon weit über der Bühne.
Alles ist umgeben von der wunderbaren Bodenseeumgebung, den vielen Lichtern und den Spiegelungen auf dem See. Bis nach Mitternacht genießen wir die Nachstimmung im ruhigen Hafen auf der EOS.

Donnerstag 19. August
Heute segelt uns EOD das kurze Stück nach Lindau. Metzger Vinzenmurr gibts nicht mehr, Metzgerei Kleber schon noch für Weißwürste zum Weißwurstfrühstück in Lindau. Das gehört zu Lindau und geht nicht in Bregenz oder sonstwo.

Mittags setzen wir die Reise in den Wetterwinkel fort. Auf dem Grill werden zwei Halsgrat-Steaks zu gutem Abendessen verwandelt. Eine ruhige Vollmondnacht folgt

Freitag, 20. August
Ein sanfter, warmer Morgen. Kurz vor 7 Uhr holen wir den Anker ein. Wo bleiben die vielen Quaka-Muscheln an der Ankerkette vom Frühjahr? Ausgestorben? Ein fröhlicher Fischer holt gerade mit seiner Mutter sein Netz ein. Ein großer Felchen wechselt den Besitzer. Ein Rest Leben steckt noch in ihm. EOS steuert sich selbst und ich präpariere den Fisch küchenfertig. In Horn, unserem Ziel waren wir schon jahrelangt nicht mehr. Dort haben wir vor 15 Jahren EOS gekauft. Gerdi teilt den Fisch, damit er in die Pfanne passt. Er schmeckt mit den Salzkartoffeln wunderbar und geht leicht von den Gräten.

Samstag, 21. August
Mit der Zahnradbahn fahren wir in offenem Wagen hoch nach Heiden, dem etwas eigenartigen früheren Wellnessort für Naturliebende. Langsam spazieren wir abwärts durch kühle Wälder, über sonnige Wiesen. Im Wienachts Besenbeizli kehren wir ein. Die liebenswürdige Vietnamesin ist noch da. Ein schlimmes Schicksal hat ihre Gesundheit stark eingeschränkt. Das Asia-Lokalschiff drunten im alten Rhein konnte sie nicht mehr führen. Jetzt kocht sie hier mit ihrem lieben Partner. Unten in Rorschach lassen wir Ausstellung und Balkonkaffee linls liegen und nehmen den Zug nach Horn. Nachts öffnen sich die Wolken zur Abwechslung mit kurzer, gewaltiger Sturzflut, heftigem Wind. Ein Blitz folgt dem anderen. Ein schönes nächtliches Schauspiel.

Sonntag, 22. August
2 1/2 Kilometer nur zieht uns die Genua zum Ankerplatz vor Arbon. Mäßiger Wind ist angesagt. Ein Ruhetag in der Bucht vor Arbon. Nixxxtun, lesen. Oft sind wir hier am Anker. Was denken die Leute, sind wir Geizhälse, die ihre Hafenhebühren sparen möchten? Warum sind wir meistens alleine beim ankern während Schiffe in den Häfen im Päckchen liegen müssen?

Montag, 23. August
Nach ganz ruhiger Nacht segeln wir rüber nach Langenargen, mit halbem Wind. Der Automat steuert. Beim Edeka-Esslinger füllen wir die Rucksäcke mit allem, was die Segler für einige Tage so brauchen. Dann motoren wir rüber in den Ultramarin-Hafen. Ein schrecklicher Hafen! Nur Masten, eintausend? Zweitausend? Wir verirren uns zwischen den vielen verwinkelten Pontons. Für die Jahresüberholung muß EOS am 1. September aus dem Wasser. Wir klären das mit dem Hafenmeister. Beim Bootsservice und Segelmacher gabs auch noch etwas zu klären. Dann nichts wie raus aus dem Mastengewirr und mit Motorkraft zum Ankerplatz beim Airbus-Werk. Der Wetterbericht sagt für die späte Nacht Starkwind aus Nord voraus. Auf dem Grill liegen drei Lamkotteletten und Zwiebeln in der Folie. Schmeckt sehr gut!. Während die Sonne untergeht, hören wir Ulligundes fröhlichen Podcast. Für den zu erwartenden Starkwind liegen wir günstig und fahren den Anker mit geballter Motorkraft noch einmal ein.
Dienstag, 24. August
Der Wind bließ nicht so stark wie angekündigt, ein Starkwindchen. Aber er brachte Kälte aus Nordost. Gerdi friert. EOS schaukelt etwas und der Wind brummt in den Wanten. Ich glaube wir bleiben hier vor Fischbach.

Auf fremdem Schiff…

JULIUS heißt der alte Kutter mit zwei Masten, 7,5m lang, 2,15m breit, ca. 1000 kg schwer. Er liegt in Friedrichshafen und gehört dem Verein für sozialpädagogisches Segeln. Vergangene Woche durfte ich mit zwei ganz unterschiedlichen Gruppen auf ihm segeln.

Sieben Personen einer Gemeindediakonie, ältere und junge mit Einschränkungen sind am Mittwoch meine Gäste. Ist es gefährlich? Darf ich steuern? kippt das Boot?… oder so ähnlich sind die Fragen noch an Land. Alles ganz locker, keine Gefahr und jeder darf steuern! Ich glaube, da sitzt eine angenehme Gruppe auf den schmalen Bänken! Allen an Land wird zugewunken und die Landleute winken zurück. Draußen weht ein leichter und schöner Wind. Der kleine Motor hat ab jetzt Pause, statt dessen setze ich Segel. Da muss noch der Skipper ran. Aber dann übernehmen meine Gäste die Schoten und auch die Pinne. Klar, dass ich immer Beistand leiste und korrigiere. Es ist eine lustige Fahrt, ein Wort gibt das andere. Vieles ist schwer zu verstehen und muss vom Betreuer „übersetzt“ werden. Ein junger Gast kann sich kaum an Gesprächen und am „Arbeiten“ beteiligen. Die Betreuer versuchen ihn nach seinen Möglichkeiten einzubeziehen. So ist es eben bei diesen Gruppen: Trotz großer Unterschiede ist es eine harmonische, frohe Gemeinschaft. So segeln wir, machen Wenden und Halsen und freuen uns an den Wellen der großen Fahrgastschiffe. Es freut den Skipper, wenn sich nach dem Anlegen im Hafen die Gäste immer wieder bedanken und von den vergangenen Stunden begeister erzählen.

Eine andere Gruppe wollte zuerst am Samstag segeln. Der Wetterbericht hat aber vor Unwetter gewarnt und so haben wir alles auf den sonnigen Freitag vorverlegt. Was die alles dabei haben, sind meine Gedanken, als ich sie die Dachbox ausladen sehe. Zwei Familien mit drei Jugendlichen aus Berlin und ein Gast von der Ostsee. Nach den ersten Worten weiß ich: Das wird eine gute Reise. Zwei erfahrene Segler sind dabei. Beim Ausfahren geraten wir in einen Pulk Vorfahrt berechtigter Fahrgastschiffe. Mit Hafenrunde klappt das. Der schwache Wind draußen füllt die Segel gerade noch. Bei fröhlichen Gesprächen geht’s langsam dahin. Diese Besatzung hätte viel mehr Wind vertragen. Aber die Sonne scheint und das Lüftchen bringt uns vorwärts. Ein Wetter zum Baden. Im Bodensee baden, vom Schiff aus, ist auch ein Genuss. Einige lassen sich an einem Seil ziehen. Sogar zum Pullen kann ich sie animieren. Hätten sie die schweren Riemen gesehen, ob sie es dann noch gewollt hätten? Unser Marinespezialist aus Kiel hat es gut erläutert und das Kommando übernommen. Und es hat geklappt. Dann wurde aufgetischt! alles hausgemacht: Buletten, Kartoffelsalat nach Berliner Art, Nudelsalat, Würstl usw., alkoholfreies Radler, Grapefruitsaft. Vom ****-Restaurant Julius war die Rede.

Alles gezaubert auf dem Campingplatz in Litzelstetten im Zelt! Respekt!

Weit sind wir nicht gekommen, mehr kreuz und quer gefahren. Entfernung stand nicht im Vordergrund, statt dessen Freude und Abwechslung.

Wieder einer dieser schönen Tage auf dem See, mal nicht auf unserer EOS.

Da bedanke ich mich ganz herzlich bei den beiden Gruppen, dass ich sie skippern durfte.

Gerhard

Unterm Gewitterhimmel

Seit Tagen regiert ein mächtiges Hoch das Wettergeschehen. Die Medien melden „Gewitter während der nächsten Tage“. Im Hafen von Rorschach kühlt eine mächtige Linde unseren Liegeplatz. Die Würth Foundation bietet zwei Ausstellungen, aber der Blick vom Cafèbalkon auf den See spricht uns mehr an. Anderntags liegen wir wieder einmal vor der Mündung der Dornbirner Ache. Starkwindwarnung blitzt, aber keine Sturmwarnung. Der Himmel deutet Regen an ist aber weit von Weltuntergangsstimmung entfernt.

Alles sehr gemütlich bis sich auf einmal mächtige Staubfahnen an den nahen Sandbergen an der Rheinmündung bilden.

Da trifft EOS auch schon die erste Böe und legt das Schiff breitseits 30 Grad über. Sie sollte sich jetzt im Wind ausrichten, tut es aber nicht. Der große Anker kann sich im weichen Mudd nicht festkrallen. Wir treiben. Einem zweiten Ankerlieger geht es ebenso. Wir haben über 100 Meter Wasser zum treiben. Motor an und Anker hochholen! Mit viel Motorkraft steuern wir EOS gegen den Wind. Immer wieder wird sie zur Seite gedrückt und wir müssen sie mit fast voller Kraft wieder gegen den Wind ausrichten. Es regnet, aber das ist kein Problem. Das Boot der Österreichischen Wasserrettung kommt zu uns und bietet Beistand an. Wir signalisieren, dass wir alleine zurecht kommen. Kurz vor dem Rheindamm versuchen wir noch einmal zu ankern, aber vergeblich. Jetzt wollte ich unsere EOS mit dem Wind treiben lassen, weil uns 300 Meter Wasser zur Verfügung stehen. Aber in diesem Moment lässt der Wind nach. 2 Stunden hat die Aktion gedauert. Wir steuern wieder unseren Ankerplatz an, trocknen unser Regenzeug und genießen den Abend. und unser zweiter Ankerlieger ist auch wieder da.

Was können wir aus diesem Ereignis lernen? Wir haben uns, glaube ich, richtig verhalten. Ein Sturm wurde weder durch die Warnblitze noch im Internet angedeutet. Vielleicht hat der Himmel mit seinen verblasenen Wolken doch auf mehr Wind hingewiesen. Ganz dunkle Wolken deuten doch eher auf Wolkenbruch hin. Wäre noch fehlende Sicht durch Starkregen hinzugekommen, hätten uns GPS und Echolot den Weg gewiesen. Ein Motorausfall hätten wir wohl mit winziger Segelfläche überstehen können. Aber nach 3 Kilometern wäre der See zu Ende gewesen.

Am dritten Tag hat das Schwabenmeer noch einmal Gas gegeben (so schön schildert Martin das Wetter). Aber gebremst. Mit zwei Reffs eilten wir nach Kressbronn ins Baggerloch.

Dieser Hafenmoloch bietet zwar nichts schönes, aber vollkommene Ruhe. Die meisten Schiffe sind unter Planen verschwunden, keine Menschen beleben den Hafen. Aber die Vögel zwitschern und das Wasser liegt vollkommen unbewegt da. Schön, diese Ruhe nach all dem wilden segeln.

Im Schuppen 13, einem angesagten Restaurant mit gehobener Gastronomie genießen wir ganz besonderes Risotto, feine Nachtische und wie die Fachleute eine Fisch mit aller Kunst zerlegen.