Luxus am Meer

Das Smartphone macht vieles einfacher.

Verlaufen unmöglich >  Das GPS zeigt immer den jeweiligen Standort an,

Mit dem Auto von A nach B fahren >  Eine freundliche Stimme weist hin, wann und wo man abbiegen muss.

Unterkunft suchen >  Wo’s Zimmer zu welchem Preis in welcher Ausstattung gibt sagt Google-Maps

und so weiter…..

Aber wenn das Smartphone ausfällt? Darum immer für Backup sorgen!

Wir lassen uns den Weg von Dimitsana nach Patras auf dem Smartphone zeigen. Die Straßen bestehen fast nur aus Kurven. Mal führen sie uns in eine Ebene hinunter, dann wieder hoch über einen Pass. Von der Busch- und Feldgegend unten hoch in tannenbewaldete Gegend. Immer wieder huscht ein kleiner Schrein mit einen Votivbildchen vorbei oder nicht so oft, eine gefasste Quelle.

Wir durcheilen ein Gebirge mit Nadelbäumen und darüber Felsgrate wie im Allgäu. Der Name des Gebirges? Unbekannt. Das kleine Gerätchen zeigt nur die unmittelbare Gegend genauer an. Den Überblick vermittelt nur die Papierkarte. An einer Taverne halten wir und trinken eine Cola. Mächtige Platanen sorgen für Schatten. Die Taverne heißt auch „Platania“. Dann liegt das Häusermeer von Patras unter uns. Die Autobahn führt uns ein kurzes Stück aus der Stadt und schließlich vor das „Poseidon Palace Hotel. Mit einem freundlichen Sie haben Ihr Ziel erreicht, verabschiedet sich die hilfsbereite Stimme.

Ein großes Zimmer, ein schöner Balkon, noble Einrichtung. Alles vom Besten. Vor dem Haus das Meer und ein netter Pool. Bar, Ober, Liegen, Schirme, Luxus eben. Wir genießen diese angenehme Umgebung. Die umfangreiche Speisekarte irritiert. Oben im Gebirge waren die Speisekarten auch umfangreich, aber die meisten Preise waren ausradiert. Und diese Gerichte gabs halt nicht. Hier gabs alles.

So freuen wir uns über die beiden Abschiedstage vom Peloponnes. Morgen um Mitternacht startet die Fähre nach Venedig.

Griechisches Gebirge

Je wilder das Gebirge, umso sicherer ist der Versteck. Hier konnte man sich vor den Osmanen verstecken und weiterhin seiner Religion nachgehen. Stemnitsa ist so ein Ort, umgeben von Bergen sieht man ihn erst, wenn man davor steht. 700 m darunter hat sich die (der?) Lousios zwischen mächtigen Felswänden sein Bett gegraben. Zwei Klöster wurden mitten in den senkrechten Felswänden errichtet. So etwas macht man nur in höchster Not.

Vom Balkon unserer Unterkunft blicken wir weit durch die Schlucht in die Ebene von Megapoli und die hohen Berge dahinter. Eine grüne Naturwildnis. Wir wandern einmal auf schmalen Pfaden durch diese überbordende Natur zum Fluss hinunter und drüben wieder hoch entlang an senkrechter Wand zum „neuen“ Kloster der Philosophen. 2 Mönche bewahren diesen heiligen Ort. Beim letzten Besuch habe ich das alte, verfallene Kloster mitten in einer senkrechten Wand besucht. Partisanen haben sich beim dem Türkeneinfall hier versteckt. Der Rückweg hoch auf sonniger, kurvenreicher Strasse hat sich arg gezogen.

Gestern hat Gerdi den Opel auf wilder Straße in die Schlucht hinunter gesteuert. Da schützen keine Leitplanken, tiefe Schlaglöcher und heruntergefallene Steinbrocken erfordern Ausweichmanöver. Das Kloster in der Felswand kennen wir. Der vielen Touristen wegen hatten wir keine Lust es noch einmal zu besuchen. Die Stille des Ortes leidet unter dem Strom der Besucher. Wir folgen dem schattigen Pfad hinunter zum Fluss und weiter abwärts zum alten Gortys. Es wundert mich immer wieder wieviel Erde sich über einem ausgegrabenen Ort im Laufe der Jahrhunderte anhäuft. Wir genießen den kühlen Wind unter einem schattigen Baum. Es rauscht und die Gräser wogen im Wind. Der Aufstieg auf sonniger Straße wird dann wieder mühselig. Es wäre besser, mit dem Auto ganz ins Tal zu fahren und dann mit frischer Kraft den Schattenweg hoch zu steigen und mit nachlassender Kraft abzusteigen.

Abends fahren wir noch nach Stemnitsa zum Essen. Wie üblich ist die Speisekarte reichlich, aber es gibt nur die paar Gerichte, die mit einem Preis versehen sind. Bei Wein genießen wir dann noch die warme Nacht auf dem Balkon. Ein Licht leuchtet oben an einem Pass und weit unten eines am Kloster. Über uns zeigen sich die Sterne. Am anderen morgen weckt das fröhliche Gezwitscher der Spatzen.

Jetzt füge ich noch etwas ein.

Am Montag, unser Ruhetag, besuchen wir das Kloster Emialon. Unser Opel bringt uns direkt ans Tor. Erst genießen wir die Stille und die mächtige Platane davor auf einer Steinbank. An der Platane hängen 5 Glocken. Dünne Fäden verbinden sie mit einem Schlagwerk wohl oben in der Kirche. Da bin ich mir aber nicht sicher. Ich habe vergessen zu fragen. Der Mönch lädt uns ins Gebäude ein. Das wurde in eine große Nische in der Felswand eingemauert. Dunkel und kühl die Kirche mit der orthodoxen Ausstattung. Vom Balkon können die Mönche die weite Sicht genießen. 10 Mönche leben hier. Gegenüber in einer kleinen Höhle hatte bis 1920 ein Einsiedler sein Zuhause. Wenn es heilige Orte gibt, dann sind es diese abgelegenen Klöster. Die Bewohner strahlen große Ruhe aus.

Vom Meer ins „Gebirge“

Meer ist Meer, ist Wasser. Gebirge ist aber nicht gleich Gebirge. Das Allgäu ist lieblich bis schroff. Almen beleben die Hänge. Hier sind die Berge fast unzugänglich. Die Straße zu verlassen ist nagezu unmöglich. Nach 2 Metern endet man in undurchdringlichem Dickicht. Unser Auto bringt uns viel zu schnell durch dieses schöne, wilde Gebirge. Ein schöner Fleck, eine Kapelle, schon ist man vorbei. Ganz oben unter den Gipfeln liegt noch letzter Schnee. Ins kleinen Städtchen Kalavrita komme ich mit Scheu. Warum geht aus diesem Link hervor. Sogar Skifahren kann man hier weit oben im Ski Resort. Dem riesigen Parkplatz nach scheint hier winters einiges los zu sein.

Eine Touristeneisenbahn, früher eine wichtige Verbindung für Bewohner, fährt auf schmaler Spur 700 m ans Meer hinunter. Besonders steile Stücke sichert eine Zahnschiene. Es ist ein wildes Bauwerk mit vielen Tunnels und Galerien. Andauernd hupt der Zugführer damit sich die vielen Wanderer entlang dieser einmaligen Strecke in irgendeine geschützte Ecke verdrücken können.

Damit wars mit schönen Abenteuer zu Ende. Am anderen Tag hat mich Fieber bis ganz hart an 40 Grad überfallen und kräftig durchgeschüttelt. Die Fachleute im kleinen Krankenhaus haben mich gleich richtig infusioniert und eine Nacht da behalten. Anderntags war das Fieber fast niedergerungen und einen Tag später ganz weg (mit Antibiotika Hilfe).

Wie soll man Kalavrita beschreiben? Ein Ort für die Einheimischen zu leben. Nette Gebäude aus Steinen der Gegend, gut durchmischt mit etwas Verfall. Autos wo Platz ist. Für Fußgänger gibts gelegentlich Fußstreifen. Radfahrer hätten schlechte Karten. Halt! Die „Schopping-Meile“ bietet viele Bars, Restaurants und Andenkenläden. Dier treffen wir Antonia. Sie hat uns vor einigen Jahren Duftchreme und Rosenöl auf angenehme Art verkauft. Manch Schönes bleibt im Gedächtnis.

Von Hafen zu Hafen

Auf dem großen neue Fährhafen Fusina (Venedig) stehen LKWs und Autos dicht an dicht. Unser Auto wurde im untersten Deck der Fähre eingezwängt. Wir sehen vom Heck der ASTERION II zu, wie alle Autos im Bauch des Schiffes verschwinden. Unglaublich was alles dort verstaut werden kann. Mit 1 1/2 Stunden Verspätung nimmt die ASTERION II den Weg durch Venedigs Lagune aufs offene Meer. Innen wirkt das Schiff wie neu, außen bricht sich der Rost durch viele Farbschichten den Weg. Eine schwarze Rußwolke aus dem Kamin weist auf das betagte Herz des Schiffes hin. Immer begleitet uns das leichte Wummern und Zittern.

Eine längere Fährfahrt zwingt zur Gelassenheit. Speisezeiten sind vorgegeben, die Bar bietet kräftige Preisen und wenig Genüsse. Lesen, ins Kielwasser schauen und nachts in der kleinen aber doch schiffsmäßig gemütlichen Kabine schlafen. Am nächsten Tag wieder das Gleiche. Wir nähern uns Korfu und auf der anderen Seite Albanien.

Es kommt etwas Wehmut auf. Auf unserer MARION haben wir uns mit den kleinen Kindern weit fern gehalten. Enver Hotscha kannte vor 35 Jahren keine Gnade mit versehentlichen Eindringlingen. Auf der engen Wasserstraße zwischen Korfu und Albanien haben uns nachts starke Scheinwerfer verfolgt. Später dann mit EOS waren wir gern gesehene Gäste in albanischen Häfen und Buchten.

Etwas Abwechslung bietet das Anlegen, Ausladen und Ablegen in Igoumenitsa. Dann geht’s wieder weiter längs der Küste in die Nacht hinein. Das Schiff hat mittlerweile stundenlange Verspätung. Ankunft wird für 01.30 Uhr angezeigt. Tiefer Schlaf gelingt nicht mehr. Mit unserem Auto schrauben wir uns vom tiefen Keller wieder an die frische Luft. Ich weiß nicht, wie wir in vor-GPS Zeiten das gebuchte Hotel in der Nacht gefunden hätten. Vorsicht: Man darf die Navigation mit Papierkarte nicht verlernen!

Wenn sich die Bilder durch anklicken nicht groß darstellen lassen, dann noch einmal auf den Titel klicken.

Gerdi berichtet in Ihrem schönen Blog die Reise aus Ihrer, einer anderen Sicht.

Skifahrer wandern

Die Wanderer kommen!

Der Schnee hat sich in die hohen Regionen zurückgezogen. Das ist zwar schade, aber dafür fährt unsere Region zu höchster Blüte auf. Sollen wir Skifahrer da zu Hause bleiben? Gewiss nicht! So fordert uns einer zum Wandern auf und lockt auch noch mit einem guten Wirtshaus!

Wir aus Richtung Friedrichshafen treffen uns mit den Schlierern ( sie reisen im offenen Cabrio an und lassen das Verdeck mit Knopfdruck schließen). Das Rauschen der Argen unter uns, der Gesang der Vögel und unsere ebenso fröhlichen Gespräche begleiten uns. Die Winterzeit ist vorbei, die Bäume haben ihr frisches Grün angelegt. Nach halber Wegstrecke wechseln wir über den Argensteg bei Heggelbach auf die andere Flusseite und legen eine Pause ein. Kleine Schlückchen Obstler, Gute Biber aus Winterrestbeständen und weiche Brezen vom besten Bäcker Deutschlands werden gereicht. Ob es in Bayern noch bessere Brezen gibt, bleibt offen.

Jetzt laufen wir auf der anderen Flussseite aufwärts und zurück zum Schloss. Eine kurze Autofahrt zur Einkehr in Laimnau in den Landwirt. Da schmeckt das Essen heimisch gut!

Unser Wanderführer hat’s gut gemacht: Schönes Wetter bestellt, eine angepasste Wegstrecke ausgesucht und uns in eine feine, bodenständige Wirtschaft geführt.

Segeln zwischen Winter und Sommer

Seit Tagen versorgt uns ein Hoch mit gutem, aber kaltem Wind aus Nordost.
Die „Biokiste“ mit  gesundem Gemüse will nicht kommen. Klar. Die Gärtner haben statt am Ostermontag erst am folgenden Dienstag geerntet und verpackt. So motoren wir erst am frühen Abend nach Langenargen. Der Wind hat sich vollkommen gelegt. Wie durch ein Tor sehen wir im Hafen den schneebedecktem Säntis über der baumbestandenen Einfahrt. Am Morgen wecken uns die zwitschernden Vögel und das Rauschen des Wasserfalls an der Argen. Unter meinem leichten Daunenbett habe ich wunderbar geschlafen.
Kräftiger Westwind treibt uns am nächsten Morgen mit vollen Segeln und höchster Geschwindigkeit nach Bregenz. EOS legt sich leicht zur Seite. Das Ufer auf der deutschen Seite zieht langsam vorbei. Vor uns wechselt das Weiß der Berggipfel ins frühlingshafte Grün. Überm Rheintal, weit hinten, schimmern die Berge noch in vollem Weiß. Ich frage mich: Wo lässt sich schöner segeln, hier in der abwechslungsreichen aber begrenzten Gegend oder irgendwo am weiten Meer? Schottlands Südküste habe ich ähnlich abwechslungsreich in Erinnerung.
Gestern Nacht habe ich noch mit dem Handy Karten für die Seebühne bestellt. Heute holen wir sie in Bregenz an der Kasse ab und besichtigen unsere Plätze hoch droben über der Bühne mit dem weiten Blick über den See. Maler hängen in der mächtigen, steilen Kulisse an Seilen und streichen mit Rollen an langen Stielen. Ist die Kulisse fertig, wird sie einen zerknüllten Brief mit japanischer Landschaft darstellen.
Entgegen den Wetterberichten nimmt der Wind kräftig zu und bläst in die Hafeneinfahrt. EOS liegt quer zu den Wellen, schaukelt und knirscht. Meerfeeling. Mir gefällts gut, aber wohl nicht allen im Hafen.  Irgendwann nachts schläft der Wind ein. Es wird ganz ruhig. Von den vielen Lichtern am deutschen Ufer und am Pfänderrücken leuchten nur noch wenige.
Das „Ersatzfrühstück“ mit Kalbswürsten (von der Metzgerin in Bregenz empfohlen) statt einem Weißwurstfrühstück ist gar nicht der Renner. Ohne Petersilie, zu hart, zu groß, einfach unpassend. Die Sonne scheint wieder, die Berge hinten im Rheintal leuchten weiß und der Wind weht angenehm. Wir kreuzen einen Schlag nach dem anderen. EOS verhält sich vorzüglich. Wieder steuert der Automat, auch die Wenden. Wir verkriechen uns hinter der Sprayhood. Die Luft ist doch noch kalt. Nach 50 km verweigert uns die geringe Wassertiefe die Einfahrt nach Güttingen. Weiter nach Bottighofen, 10 Km. Hier klappt alles. Wassertiefe, Platz und ein Luxus wie Strom, Internet und den Code zu edlen Sanitär-Anlagen. Trotzdem bin ich froh, wenn wir wieder draußen ankern können. Noch sind Wasser mit 8 Grad und Nachtluft bei 3 Grad zu unangenehm.
Wohlstand: Nach dem Niedergang der Underi Müll (Schwyzer Dütsch: Untere Mühle) verwandelte sich die Umgebung. Ein schicker Hafen entstand, Silos und Werksgebäude erinnern entfernt an die früheren Gebäudeformen, beherbergen jetzt aber ein Gasthaus und Wohnungen. Zwei „Hochhäuser“ und einige schön gegliederte Wohngebäude ergänzen das Areal. Die Gegend hat Stil. Wir nehmen den Zug nach Weinfelden. Wenn der Zug in der Schweiz um 10:36 kommen soll, dann kommt er auch um 10:36! Warum Weinfelden? Weil der Name gut klingt und ein Zug hinfährt. Das kleine Städtchen entpuppt sich als netter Ort. Alte Fachwerkhäuser zwischen die sich modernere Gebäude zwängen. Eine Stilsammlung, wie sie sich in vielen wohlhabende, aufstrebende Orte entwickelt. Das Alte wird vom Neuen abgelöst. Nur das wirklich wertvolle Alte belässt man im Laufe der Generationen. In der evangelischen Kirche mit dem mächtigen achteckigen Turm, dem Innenraum ohne Bilder (nur zwei Kleine mit Luther und Zwingli) und den grünen Bänken, die sich um das Altärchen scharen, nehmen wir Platz. Der Organist übt laut und mächtig. Schön, dort zu sitzen und zu genießen. Im Cafe Zur Brotzyt können wir noch einmal altes und neues Gemäuer studieren. Der Zug bringt uns wieder zurück nach Kreuzlingen, natürlich pünktlich, ruckelfrei und überaus sauber. Die restlichen Kilometer laufen wir. Im Fischerhuus bestellen wir mit Barcode-Scanner, zahlen mit Mastercard und nur noch ein Mensch bringt uns Quölfrisch und Cappuccino. Auch hier: Neu löst alt ab. Noch 2 Kilometern und wir sind wieder im modern-kühlen Hafen.

Samstag: Barometer fällt, die Sonne hängt über diesiger Luft. Kräftiger Wind zwingt zum Reffen, sorgt aber für höchste Geschwindigkeit. Wir können den Kurs nach Friedrichshafen in unseren Hafen anliegen.

Der Organist übt

Winter ade!

Noch liegt über 1500 Höhe Schnee! Wir nutzen die Gelegenheit für eine letzte Skitour in diesem Winter. Unser Opel bringt uns hoch hinauf nach Malbun. Wir kennen dieses Gebiet ziemlich gut. Das Berghaus ist geschlossen und der kleine Lift steht. Den vielen Spuren nach muss am Wochenende einiges hier oben los gewesen sein. Jetzt laufen wir alleine zuerst durch Wald, dann über freies, stark verspurtes Gelände. Die Sonne und die gleichmäßige Bewegung bringt uns zum Schwitzen. Ein Skitourer schließt sich uns an. Eine Kehre folgt der anderen. Auf der rechten Seite neben uns die letzten Latschen, dahinter die Berge des Alpstein und ganz hinten,1000 m unter uns der Bodensee im Dunst. Auf der anderen Seite die senkrechte Felswand des Glanna. Irgendwann machen wir Pause und vespern, heute mit einer Flasche Sekt. Es ist ja die letzte Wintertour. Vollkommene Ruhe hier oben. Drüben, unter der schattigen Glanna-Wand hält sich noch Pulverschnee. Zwei Abfahrer ziehen ihre Spuren hinunter, dass es staubt. Auch wir nutzen diese Seite. Weiter unten wird der Schnee feucht und die Kurven kosten Kraft.

Im Aufstieg, noch ziemlich weit unten

Segeln zwischen Winter und Frühjahr

Noch fahren wir auf dem leeren Bodensee! Noch sinkt die Temperatur nachts unter den Gefrierpunkt! Noch sind die Berge weiß – aber die ersten Knospen zeigen sich schon!

Drei Tage fahren wir zwischen den Jahreszeiten auf dem See. Lindau mit Bayerisch- Abendessen und Weißwurst- Frühstück. Bregenz mit Seeuferwanderung zur Bregenzer Ache und Arbon mit Spaziergang zum Gegenüber-Ort Steinach mit der alten Fabrikanten-Villa.

Meteo Swiss warnt mit Farbe „rot“ vor Föhndurchbruch am Sonntag. Hohe Linsenwolken warnen auch. Aber der Föhn ist ein rätselhafter Bursche. Das Wilde scheint sich in luftiger Höhe abzuspielen. Die Seefläche bleibt windlos.

Tagsüber sitzen wir windgeschützt unter der Sprayhood und lassen den Automat für uns steuern. Wir könnten auch unter Segeln dahinschleichen, aber wir wollen raus aus der Föhnzone.

Wir sind im Genussgang. Alles kommt mir so langsam und gelassen vor. Die vielen sonntäglichen Spaziergänger in Arbon haben keine Hast und genießen den sonnigen, milden Tag. Nachts aber will der Winter noch Kraft zeigen. Am anderen Morgen liegt Reif auf dem Schiffsdeck.

Eine wunderbare Zwischenzeit auf dem Wasser!

Skitouren bevor der Frühling kommt

Die Alpe Devero, ein runder brettflacher Kessel umgeben von zackigen Fastdreitausendern. Wo bleibt denn da etwas flacheres für uns ältere Skitourer? 1600 Meter hoch liegt dieser Wanderort am Ende hoch über dem Ort Baceno. Würde ENEL hier oben nicht aus allen Richtungen Energiewasser anzapfen, würde nie eine kurven- und tunnelreiche Mautstraße für uns hier hoch führen. Die Casa Fontana, dieses schmucke Unterkunft im Holzhaus auf einem Hügel am Rand des Kessels lässt uns abends mit guter Piemoter Küche wieder zu Kräften kommen.

Eiskalt pfeift der Wind am ersten Tag ums Haus. Bei diesen garstigen Bedingungen wählen wir die Lifttrasse als Aufstieg auf den Monte Cazzola. Immer wieder fallen Böen ein und lassen uns im Schneenebel verschwinden. Ab der Baumgrenze geht nichts mehr. Der Sturm wirft einfach um. Immer wieder treiben die Schneekristalle als graue Wolken mal den Berg rauf, dann wieder runter. Sonne und rasende Wolken wechseln sich ab. Mir gefällt diese ungewöhnliche Wetterstimmung, auch wenn sie keine Gipfelfreude zulässt. Ein kleines Sendehäuschen bietet etwas Schutz zum Abfellen und trinken vor der Abfahrt.

Am nächsten Tag hat sich der Wind fast gelegt. Unser Ziel: Der Monte Corbernas, 2600m hoch. Das wahrscheinlichere Ziel die Corte Corbernas auf 2000m. Unser erreichtes Ziel: Irgendwo auf 1900m. Aufstieg im steilen Lärchenwald zwischen den Bäumen. Wir brechen ab und kurven bei schönem Pulverschnee um die Bäume ins Tal.

Donnerstag: Zwei von uns legen einen Ruhetag ein und fahren mit dem Auto runter nach Domodossola. Wir anderen versuchen uns noch einmal am Monte Cazzolo. Diesmal auf schönem Track in großer Kurve zum Gipfel mit Rast an einer einfachen, Alm. Die Wände und das Dach aus Granitsteinen scheinen für die Ewigkeit gebaut. Diesmal erreiche wir den Gipfel. Wo wir auch hinschauen, überall begrenzen wilde Gipfelzacken den Horizont. Der vorgestrige Sturm hat die Gipfelkuppe vom Schnee freigeblasen und die wenigen Schneerinnen mit glasharter Ratteroberfläche zurückgelassen. Weiter unten dann, auf der leeren Piste wirds besser. Der Lift läuft nicht aber jemand hat die Abfahrt schön geglättet. Danke!

Die vier Gänge des Abendessens liefern die verbrauchten Kräfte fast im Übermaß zurück. Die Piemonter wissen gut zu speisen, warum nur abends so reichlich? Morgens folgt das Frühstück eher der einfachen italienischen Art.

Die Tour am nächsten Tag endet schon bald bei der Corte d‘ Ardui. Die Schneedecke hat einen Harschdeckel und wir (hauptsächlich ich) vermuten auch weiter oben harschigen Knochenbrecher-Schnee. Also gibt’s im La Baita im Weiler Crampiolo noch eine kleine Einkehr und schließlich noch einen kleinen Aufstieg zum Stausee und eine Abfahrt in den Kessel und wie immer einen Aufstieg von 50 Metern. Unser Haus steht ja auf einem kleinen Hügel.

Am Donnerstag folgt dann die „Entschädigungstour“ zur Corte Corbernas. Einen Teil der steilen, ungünstig gelegten Aufstiegsspur unserer Vorgänger folgen wir und dann stehen wir plötzlich vor einem sonnendurchfluteten Hochtälchen. Eine herrliche Ruhe umfängt uns. 200 Meter seitlich steht die Corte, nur ein kleiner, steinerner Stall. Der schönste Brotzeitplatz! Eigentlich will man hier gar nicht mehr weg. Folgen wir zum Abstieg dem längeren Almweg oder meiner Internet-GPS-Route in großem Bogen durch den Lärchenwald? Wir nehmen diese Route. Immer wieder vergleiche ich Standort und vorgegebene Route. Auf bestem Pulverschnee schwingen wir im lockeren Wald zu Tal. Keine Spur, die Hänge nicht zu steil, es könnte nicht besser sein.

Sonntag: Jetzt teilt sich unsere Gruppe. Zwei fahren auf abenteuerliche Weise nach Hause. Wir anderen drei besuchen Baceno unten im frühlingshaft warmen Tal. Wir schauen uns die alte, schöne Kirche an und fahren dann noch weiter zur „Schrecklichen von Uriezzo„, einer tief eingeschnittenen, ganz engen Schlucht mit Kolken, die vor Urzeiten ein Gletscherfluss eingegraben hat. Als Abschluss, bevor uns das Auto wieder zur Alpe Devero hochschraubt gibts noch eine wunderbare Brotzeit in einer Bar. Sonntägliche Ruhe liegt über dem Ort, wir sitzen draußen auf einer kleinen Terrasse in der Sonne und genießen bevor die Sonne hinter einem der Bergzacken verschwindet.

Absinth habe ich noch nie getrunken. Und den gabs hier! Er wird in ein Glas gegeben, über einen Trichter tröpfelt kaltes Wasser auf eine Art Wippe, Tropfen der einen Seite lösen langsam einen Würfelzucker auf, Tropfen der anderen Seite fallen direkt ins Glas darunter. Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Absinth#Trinkweisen_und_-rituale