Höhe bringt Sonne

Unser Opel bringt uns auf der Deutschen Alpenstrasse kurfenreich über den Nebel. Die Minuten, wenn die Sonne durchbricht, gefallen mir. Der Nebel wird immer greller, dann erscheint die Sonne als weiße Scheibe und bald bekommt der Nebel himmelblaue Flecken. Zauberhaft fahren wir auf einmal in sonniger Landschaft.

Wir starten eine Wanderung wie so oft inmitten der sanften Allgäuer Hügel und laufen auf Feldwegen mal in der Sonne, mal in frostigem Wald, vorbei an sauberen Höfen. Der Winter macht sich bemerkbar. Die Temperatur ist angenehm, aber doch kühl. Kleine Weiher und Pfützenreste bedeckt eine Eisschicht und an den schattigen Waldrändern liegt Rauhreif auf den Wiesen. Für unsere Brotzeit suchen wir uns eine Hangkante mit Sicht über die Hügel. Dort wo das Land flach wird, beginnt der Nebel. Am Nachmittag steigt er geisterhaft immer höher und schon nach ein paar Kilometern Autofahrt versteckt sich die Umgebung im Weiß.

Erste Winterwanderung

Prodlkamm bei Steibis, der kleine Bruder der Nagelfluhkette, nur 1400m hoch, aber oben schon mit Schneefeldern. Unser Südaufstieg noch im Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln und ohne Schnee. Aber dem „große Bruder“ auf der gegenüberliegenden Seite reicht der Schnee auf seiner Nordseite schon bis 1200m herunter. Also unsere erste Winterwanderung auf einem sonnigen Grasgrat mit etwas Schneeunterlage.

Nebel und Sonne

Leer ist der See zu dieser späten Jahreszeit. Scheint die Sonne, wärmt sie, Pulloverwärme. Ab 16 Uhr kriecht Kälte in die Kleider. Ankern oder Hafenplatz? Wir wählen die Häfen, meist als einziges Gastschiff. Noch spenden die Steckdosen Strom für den Luftheizer. Mit unserer Dieselheizung gings auch ohne Landstrom. Noch ein Spaziergang durchs Dorf während die Nacht hereinbricht und eine Pizzabestellung bei Pizza Sud in Immenstaad. Was kann man auf unserer schwimmenden Insel schon machen! Essen, lesen, Musik oder Podcast hören. Oder auf dem Smartphone rumtippen. Draußen Ruhe und auf der EOS ebenso. Angenehm für Geist und Seele.

Kein Wind heute, also Motorkraft, aber langsam mit gedämpftem Motorlärm. Nebel, heute nicht dicht. Das Wasser spiegelglatt, nur der Propeller erzeugt sanfte Wirbel hinter der EOS. Trifft ein Sonnenfleck Häuser an Land, dann leuchten sie hell auf und fallen mit der nächsten Wolke wieder ins dumpfe Grau-Braun. Der automatische Steurung steuert das Schiff zuverlässig und wir nehmen diese besondere Stimmung auf. Langweilig? Nein ganz und gar nicht! Man darf sich diese Herbststimmung auf dem Wasser nicht entgehen lassen. Die Sonne am Nachmittag wärmt angenehm und wir lassen uns zu einer feinen Selleriesuppe treiben bis die Sonne ihre Kraft verliert.

Dingelsdorf am Überlinger See: Ein Spaziergang hoch zur St. Nikolaus Kirche. Der Wechsel vom Tag zur Nacht ist besonders schön. Gelbe Lichter lösen die Häuser drüben in Überlingen ab. Ein paar grüne und rote Hafenlichter weisen späten Schiffen den Weg. Grelle Lichtstrahler tauchen die Kirche in ein warmes Licht.

Anderntags Weißwurstfrühstück. Wie bei allen bisherigen Reisetagen lassen wir uns Zeit. Es wäre schade, diese Ruhe durch Eile zu stören. Draußen pottdichter Nebel. Ich setze auf der elektronischen Seekarte einen Kurs nach Bottighofen in der Schweiz ab, in sicherem Abstand zum Land. Nach wenigen Minuten umgibt uns nur noch Nichts. Gut Ausschau halten, langsam der vorgegebenen Route folgen. GPS macht die Seefahrt einfacher weil man immer seinen Standort kennt. Ohne diese Erfindung wäre man dauernd mit Karte, Lineal und Zirkel beschäftigt und wüsste doch nicht genau wo man schließlich rauskommt. Ohne Radar kann man diese Navigation nur zu dieser späten Jahreszeit riskieren, wenn der See leer ist. Nach einer Stunde zeigen sich am Himmel zuerst ein blauer Schein und dann die Sonne als milchig-weiße Scheibe. Etwas später über uns der blaue Himmel! Als zarter Schatten sehen wir die ersten Bäume auf der Insel Mainau. Noch ein paar Minuten und die Umgebung ist ganz anders. Sonne am Ufer, hinter uns noch Nebelfelder. Schon beeindruckend, dieser Wechsel.

Bottighofen, der moderne Hafen: Er hat alles: Wasser, Landstrom, Brause, WLAN. Trotz der beiden hohen Häuser gefällt uns der Hafen. Auf dem Gelände einer ehemaligen Mühle mischen sich alte, renovierte Gebäude mit modernen, formenreichen Häusern. Alles schweizerisch sauber. Am Vormittag holen wir die schweizer Flagge ein und wechseln von der Schweiz nach Deutschland. „Winter grillt“ vom Strandhaus am See in Lindau erkennt unser Schiff und begrüßt uns. Sie haben Kontakt mit „Ulligunde“ aufgenommen und wir kommen zu einem schönen Bild unserer EOS.

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Über dem Nebelmeer

Unsere Wanderung im Überflug

Dichter Nebel am Bodensee an diesem Dienstag. Gerdi macht die gute Brotzeit, dann bringt uns der Opel nach Weiler, dem schmucken Ort ganz unten im Tal. Sonne. Die Schlucht, die der Hausbach hier eingefräst hat, war mir bisher unbekannt. Je weiter wir uns von Weiler entfernen umso höher ragen die steilen Waldwände empor. Auf schön angelegten Wegen und Stegen folgen wir dem Bach aufwärts. Er führt derzeit wenig Wasser. Das kann auch anders sein, wie mächtige, verkeilte Stämme im Bachbett zeigen. Wir verlassen das schattige Tal und steigen hoch zur freien Fläche mit feinem Blick übers Allgäu. Eine Bank am Waldrand ist gerade richtig für die Brotzeit. Warm scheint die Sonne an diesem windstillen Ort. Immer mit bester Sicht gehts weiter und dann steil abwärts zurück nach Weiler.

Herbstliches Segeln

Eine gute Woche beherbergt uns EOS. Klein, aber es reicht, auch wenn wir unseren „Balkon“ die Plicht nicht nutzen können, es ist jetzt im späten Oktober viel zu kalt. Eine besondere Stimmung begleitet uns. Die mächtigen Bäume am Ufer zeigen ihre ganze Farbenpracht und der See gehört uns. Ab und zu mal ein Segler oder ein Angler. Es ist die letzte Ausfahrt unseres Wassersportvereins. Wir kehren abends wieder nach Friedrichshafen zurück, Gerdi singt anderntags im Kirchenchor. Dann kehren wir mit EOS wieder nach Immenstaad zurück

Auf dieser Reise ankern wir nicht, sondern nutzen die leeren Häfen. Kein Problem, einen Platz zu finden. Meist sind Strom und Wasser noch nicht abgestellt. Am zweiten Tag in Immenstaad: Es regnet den ganzen Tag. Regen zwingt zur Ruhe. Ein „kleines“ Schiff lässt keine großen Aktionen zu. Lesen, Podcasts hören, Mails schreiben, Radio hören, Essen. Nach 18 Uhr wird es schon dunkel.

Guter Wind treibt uns von Immenstaad in den Überlunger See nach Dingelsdorf in den Hafen. Sauber, schön, alles da, was der verwöhnte Yachti braucht. Von der Kirche überm Dorf genießen wir den weiten Blick ans andere Ufer. Unten im Dorfgasthaus klönen drei Alte am Stammtisch. Die Saison ist zu Ende. Die Sonne sinkt hinter den Hügeln, es wird kalt und am gegenüberliegenden Ufer versinken die Konturen und langsam leuchten die vielen Lichter. Diese frühen Abende sind auch schön.

Eine kurze Fahrt ans Seeende nach Bodmann. Das Dorf „am Ende der Welt“ hat sich durch moderne, ziemlich mächtige Gebäude am Ufer aufgehübscht. Bis ins Dach wird jeder Raum für die Gäste ausgenutzt. Beim Landmetzger gibts Fleisch für Schweinebraten und im Dorfladen Semmeln und Hörnle fürs Frühstück. Noch kein Supermarkt hier, fein. Wir könnten weiterfahren, tun’s aber nicht. Statt dessen besuchen wir das Naturschutzgebiet zwischen Bodmann und Ludwigshafen und Gerdi kocht einen wunderbaren Schweinebraten.

Jedes Ende zwingt zur Rückkehr, auch das Seeende. Wir verlassen den Überlinger Seeschlauch und dann öffnet sich der Blick auf die hohen Schneeberge am anderen Seeende. Bottighofen, den moderne Hafen in der Schweiz im Schatten mächtiger hoher Häuser steuern wir nach einer schönen Segelfahrt an. Vom Schiff sehen wir die Silhouette von Konstanz. Da dreht sich doch immer noch das Jupiter Riesenrad, das vor einem Monat in Friedrichshafen war. Wir sind die einzigen Gäste. Die Kälte hält wohl viele Boostsfahrer von dieser noch schönen Jahreszeit ab. Tristesse folgt erst in den späteren November-Wochen.

Vor Arbon ankern wir für gewöhnlich. Jetzt aber legen wir uns in den leeren Gästehafen. Nebel begleitet uns auf der Fahrt hierher. Kein Wind. Abends verdichtet sich der Nebel und dämpft die Lichter. Am grünen und roten Hafenlicht wabern die Nebelschwaden vorbei. Kein Mensch mehr unterwegs. Eine ungewohnte Ruhe für diese Stadt umgibt uns.

Anderntags Rückfahrt. Regen hat den Nebel ersetzt. Ein richtiges Allerheiligenwetter.

Humpisland

Humpisland gibts natürlich nicht, aber so schöne Ortsnamen wie Palast (ein ganz düsteres Waldstück), Alpkönig-Blick (Ein Turm mit Weitsicht), Waldkapelle ( Ein unscheinbares Holzhüttlein mitten im Wald), Humpis (Ein Adelsgeschlecht in dieser Gegend).

Unser Bergfreund aus Schlier weiß viel über diese Gegend und deren ehemals wohlhabenden Herren. Er führt uns zu historischen Stätten, die abseits liegen und an denen man gewöhnlich vorbeigeht. So steigen wir auf ein Hügelchen, auf dem vormals eine kleine Burg stand. Jetzt erinnert ein hübscher Gedenkstein an das Gewesene. Er führt uns zu einer Waldkapelle. Das GPS sagt zwar wo ein Pfad abzweigen müsste, aber da ist keiner. Ein Bauernpaar mit Quad war vor langer Zeit mal da und schließt sich uns an. Die Waldkapelle entpuppt sich als verschlossenes Holzhüttlein mitten im Wald. Nichts erinnert an eine Kapelle. So können wir uns Gedanken machen, was für eine Art diese Kapelle das gewesen sein könnte. Steil führt der Pfad bergauf durch ein Waldstück Namens „Palast“. Alle diese Namen haben einen Grund. Hier bleibt er verborgen. Irgendwann neigt sich der steile Wald zum Grat und gibt den Blick auf die Allgäuer Berge frei. Schnee liegt auf den höheren. Ein Holzturm mit prächtiger Aussicht krönt den höchsten Buckel. „Alpkönigblick“ heißt er und steht auf dem „Schwabenberg“.

Auf der anderen Bergseite steigen wir nach Diepolz ab und unterbrechen den Abstieg in der Höfle Alpe. Weil zwischen Start und Ziel der Tour der Hauchenberg liegt sind An- und Abfahrt etwas umständlich. Gut dass Wangen auf dem Weg liegt. Der Fidelisbeck saugt uns magisch an. Grund: Sehr gutes Dunkles und wie ich meine, der weltbeste, grobe Leberkäs mit Röstzwiebeln, besonders das Endstück.

Zwei herbstliche Segeltage

Der Hafen in Friedrichshafen wird langsam leer. Aber dieser Tage sorgt der Föhn für angenehme Herbsttemperaturen. Natürlich nicht so warm wie im Sommer. Warme Kleidung und Mütze sind angebracht. An zwei Tagen bringt uns Südwind in Seemitte Dann schläft der Wind ein und wir machen Brotzeit. Schön, dass er dann, diesmal aus West, wieder auffrischt und uns zurück in den Hafen bläst.

Die erste herbstliche Bergtour

Unsere Wandertour im Schnelldurchgang

Steibis, Parkplatz an der Imberg-Gondelbahn. Noch ist der riesige Platz fast leer. Zügig steigen wir den guten Bergweg hoch. Oben an der Bergstation: Da lösen sich die Gondeln vom Tragseil, schleichen langsam im Aussteigetempo im Halbkreis, schieben sich dabei eng zusammen und klinken sich dann wieder zur Abfahrt ins Tragseil ein. Warum werden dabei die Gondelabstände bei der Abfahrt nicht größer? Kinder freuen sich über den ersten Schneehaufen. Die Eltern machen sich klar zum Wandern. Wir wenden uns nach Westen auf den Imberg. Die erste Schneefläche begleitet uns. Schon in 15 Minuten sehen wir vom Gipfelchen weit ins Voralpenland hinein. Nun zurück und entgegengesetzt den Imbergkamm entlang, Den Track der Wanderer lassen wir weit unter uns. Die intergalaktisch anmutende Doppelmayr-Sesselbahn-Bergstation vom „Fluhexpress“ hält noch Sommerschlaf. Wir wandern weiter. Der Premium-Wanderweg führt uns über Wurzelwerk und Nagelfluhgestein immer wieder mit Sicht auf die Nagelflukette, die Hädrich Moorebene bis zum Schweizer Alpstein. Ein wunderbarer Höhenweg. Auf dem sonnigen, windgeschützten Fluhgipfel rasten wir zur Brotzeit. Noch ein gutes Stück laufen wir den Premium-Wanderweg weiter und verlassen ihn beim Steinernen Tor auf die schattseitige, kühle Nordseite. So entgeht uns der kleine Sektplausch mit der hübschen Dirndlmaid vom Tourismusbüro für die Komplettbegeher des Premium-Wanderweges. Bei einem vollgeschützten Jägerstand für empfindliche Jäger (m/w/d) verliert sich der Weg. Das GPS führt uns aber immer wieder auf den mittlerweile nicht vorhandenen Pfad zurück. Dann treffen wir wieder auf einen Wanderpfad vom Gipfel. Weil man von der vorderen Fluhalpe eine wunderbare Sicht und Kaffee und Kuchen genießen kann, bleiben wir hier im Wirtsgarten. Von der Alm ist mittlerweile nur noch der Name übrig geblieben. Den geänderten Anforderungen entsprechend ist die Alm zum respektablen Ferienhaus mutiert. Der Lift führt unmittelbar am Haus vorbei. Für Sommergäste (m/w/d) wird alles geboten: Von niedlichen Kaninchen über reichlich Kinderspielgeräte bis zum Fußballfeld. Wintergäste (m/w/d) könnten mit Skiern von der Piste übers schräge Vordach direkt vor die Ferienzimmer gleiten und durch die Fenster einsteigen. Nach dieser schönen Rast laufen wir weiter bergab und sind bald am Seilbahnparkplatz unten.

Die Buchenegger Wasserfälle sind mit dem Opel Meriva in ein paar Minuten zu erreichen, zumindest der Parkplatz. Nach 20 Minuten Abstieg stehen wir vor dem Wasserfall. Der kürzliche Schneefall sorgt für ordentliche Wassermengen. Ganz nett, dieses versteckte natürliche Kleinod. Eine letzte Einkehr, wieder in einem Gasthaus mit feiner Fernsicht, dann steigen wir die letzten Höhenmeter hoch zum Auto. Unser Auto bringt die beiden frohen Wandergesellen wieder nach Hause an den Bodensee.

Sommertage auf dem Bodensee

Ein paar Tage genießen wir schöne Ankerplätze und sehen den See auch einmal von oben

Donnerstag

Um 22 Uhr binden wir EOS vom Steg los und fahren in Richtung Airbus-Werk (das versteckt sich hinter mächtigen Bäumen) zum Ankern. Nachts ein Ziel anzusteuern ist immer ein Erlebnis. Einige Lichter und eine ganz schwache Silhouette im Fernglas zeigen ankernde Kollegen an. Der Blick wandert zwischen dem See, der elektronischen Seekarte und dem wanderndem Bodenbild auf dem Echolot hin und her. Ich orientiere mich am GPS-Punkt auf der Karte. Die Dunkelheit lässt eine Orientierung in der Natur nicht zu. Auf 5m Wassertiefe fällt der Anker. Eine kräftige Rückwärtsfahrt zeigt: Der Anker fasst gut. Dann Motor aus und -Stille -. Wunderbar, diese stille Nacht. Um uns die Lichter an den Ufern, über uns die Sterne. Wie immer, den Fahrweg im Handy speichern, ein Eintrag ins Logbuch und auf dem GPS die Fahrstrecke zurücksetzen. Dann sitzen und schauen bis die Augenlider schwer werden. Ich schlafe auf der EOS immer sehr gut. Am Morgen, beim ersten Tageslicht, stelle ich dann fest, wo wir tatsächlich geankert haben. Das Rauschen der Bundesstrasse löst die nächtliche Ruhe ab. Um uns, in guter Entfernung, die anderen ankernden Schiffe.

Freitag

Wind und später der Motor bringen uns zum Ankerplatz hinter der Insel Mainau, ein Hotspot für ankernde Schiffe. Tagesgäste meist, die die Zeit dort zum Baden und „Entspannen“ genießen. Abends lichtet sich das Feld. Es bleiben aber viele Nachtgäste übrig. Nur hier nächtigen so viele Schiffe. Sonst sind wir meist alleine oder mit ein, zwei Booten um uns. Dabei genießen wir dort draußen den Rundumblick, können am Heck grillen ohne uns selbst und einen Hafennachbarn mit dem Rauch zu belästigen.

Samstag

Die Strecken auf dem See sind kurz, viel kürzer als auf dem Meer. Dort legt man früh ab, hat mehr Wind, nimmt eher den Motor zur Hilfe und kommt abends später an. Wir steuern den Ankerplatz ganz am Seeende bei Ludwigshafen mit bestem Wind an. Schon um 10 Uhr fällt dort der Anker. Wir könnten auch ins „Löchle“ fahren, den kleinen, schönen, naturnahen Hafen im ehemaligen Lettenloch, aber wir brauchen nichts. Langweilig, wenns nichts zu tun gibt? Nein, eher beruhigend.

Sonntag

Bester Südwestwind! Bevor die Sonne aufgeht, hole ich den Anker hoch. Das Rasseln der Ankerkette unterbricht Gerdis Schlaf, aber nur kurz. Natürlich ist um diese Zeit noch niemand unterwegs. Ich schalte auf automatische Steuerung und bereite das Frühstück vor. Tee, Kaffee und Gutes aus dem Kühlschrank Frühstück auf See vor der Birnau. In 7 Stunden haben wir fast die ganze Seelänge unter Segeln durchmessen und ankern am Eingang zum Rheintal vor der Mündung der Bregenzer Ache. „Richtige Berge“ sind uns hier nahe, Pfänder, Bregenzerwald und die Berglein um Heiden. Weit hinein geht der Blick ins Churer Rheintal, bis zum Pizol. Also auf der Südseite Gebirge und nördlich drüben überm See die deutschen Moränenhügel.

Montag, Dienstag

Einkaufen in Rorschach im Coop mit einigen Dosen „Quöllfrisch„. Am anderen Tag schleppt uns die Zahnradbahn nach Heiden hoch und wir laufen wieder runter. Ich überlasse „Bergfex“ die Wegewahl. Startpunkt anklicken, Ziel Rorschach auch und wisch, schon erscheint die Route auf dem Bildschirmchen. Der gelbe Wegweiser am Bahnhof schlägt einen anderen Weg vor. Es wäre auch der bessere gewesen… .

Eine Wohltat, die Gegend wieder aus Vogelsicht zu sehen. Vom Boot aus endet der Blick beim nächsten Ufer, von hier oben breitet sich der Obersee in seiner ganzen Größe aus. Man muß stehen bleiben und schauen. Im kleinen Beizli bei Wienacht ist niemand da, dann essen wir eben unsere eigene Brotzeit im Garten. Wir tauchen wieder in die Straßen Rorschachs ein und besuchen noch das Verwaltungsgebäude der Würth Group. Ein Arbeitsgebäude der besonderen Art mit Kunstausstellung und Café am See. Immer einen Besuch wert. Die Nacht ankern wir vor Arbon, der Stadt mit den mächtigen Kirchenglocken. Sie läuten gemeinsam mit denen vom Nachbarort Steinach zur gleichen Sekunde. Das gibt ein fröhliches Gebimmel.

Mittwoch

Dramatisch mit wilden, tiefroten Wolken geht die Sonne auf. Da kommt etwas auf uns zu. Starkwind. Wir verlegen in den Hafen. Als er etwas nachlässt legen wir uns draußen wieder vor Anker. Die Abendstunden werden glasklar. Die Felswände des Säntis leuchten in violettem Licht, dann geht die Sonne am roten Himmel unter. Später ziehen Sterne und Planeten auf. Schon bald der helle Jupiter, im Schlepptau hat er den schwächeren Saturn. Mars kommt später und in der zweiten Nachthälfte steigt die helle Venus über den Pfänder. Dann verlöschen die meisten Landlichter, nur grüne und rote Hafenlichter weisen noch den Seeweg.

Donnerstag

Zurück nach FN. Das mächtige Riesenrad am Hafen weist den Weg