Herbstsegeln, oder schon Wintersegeln?

Statt in den Häfen zu schwimmen, stehen die meisten der Boote auf dem Land und halten Winterschlaf. Einige wenige aber genießen die klare Luft und die leuchtenden Farben, so wir wir zum Beispiel. Den See beleben kaum mehr Schiffe, wir haben freie Bahn. Es genügt alle paar Minuten ein Blick in die Runde.

Die Sonne wärmt tagsüber noch (sofern man nicht im Segelschatten sitzt). Pullover sind wichtig, ohne sie friert man. Wir legen wenig Wert auf höchstmögliche Geschwindigkeit. Lieber sitzen wir im Windschatten und lassen die Automatik steuern. Beruhigend, dieses dahingleiten. Früh schon wird es kalt. Bereits um 16.30 steht die Sonne nur noch knapp über dem Horizont und hat ihre Kraft verloren. Diesmal ankern wir nicht, sondern steuern Häfen an. Meersburg mit der besten Bäckerei in der Gegend, Bottighofen, der noble Hafen mit Hochhaus- und Luxusfeeling und Arbon mit dem angenehmen Läuten der Kirchenglocken. Überall sind wir die einzigen Gäste.

Kurz vor der Dämmerung treten die Berge wie Kulissen klar hervor und die Umgebung liegt in warmem Licht. Wir kennen diese Stimmung vom Norden der Ostsee. Abends wird’s im Schiff richtig gemütlich. Unsere Dieselheizung brummt und bläst eine angenehme Temperatur in den Raum. Gutes, warmes Essen macht Gerdi am Abend. Wir können Radio hören oder lesen. Da sind wir den ganzen Tag auf der EOS und es wird uns nicht langweilig, auch wenn’s mehrere Tage sind.

Mittlerweile liegt unser Schiff wieder im Hafen, jetzt längseits im Schutz der großen Fahrgastschiffe, abgedeckt mit einer Persenning. Wenn der Wetterbericht Sonne voraussagt werden wir die Persenning wieder entfernen und andere Orte ansteuern.

Zeitraffer: Ausfahrt aus dem Hafen in Arbon

Ohne Eile auf dem See

Am Anker vor dem Bojenfeld bei Airbus: Immer schön und nichts besonderes. Auf der Überfahrt nach Arbon guter Wind. In Arbon am Anker in der schönen Bucht: Regenschauer mit Sonne. Optimal für einen farbenfrohen Regenbogen. Vor Sonnenuntergang zeigen sich die wunderbar klaren Farben kontrastreichen Farben.

Den Alten Rhein einen guten Kilometer hoch: Langsam, nicht nur wegen der Enge des Fahrwassers, sondern auch wegen der Urwaldlandschaft. Zweige hängen übers Wasser. Die Wurzeln erinnern an Bilder von Mangroven mit ihren Verästelungen, die ins Wasser tauchen. Enten knabbern an den Wasserpflanzen und Reiher beobachten regungslos stehend die Wasseroberfläche. Langsam breiten sie die Flügel aus, stoßen sich leicht ab und gleiten ein paar Meter weiter. Den kleinen Wetterwinkel-Hafen erreichen wir jetzt noch mit 50 cm Wasser unterm Kiel. Wenn im Winter der Pegel weiter sinkt, ist er für uns unerreichbar.

In Bregenz treffen wir Joachim. Nur ein paar Minuten sinds von ihm bis hierher aufs Schiff. Wir essen und unterhalten uns während die Sonne untergeht. Mächtiger Föhn wird morgen den See angreifen. Jetzt schon werden die Berge von schweren Böen in Sturmstärke umweht wie Meteo Swiss im Internet anzeigt. Unten bei uns weht nur ein außergewöhnlich warmes Lüftchen. Weil man nie weiß, wann der Föhn zu uns „durchbricht“, starte ich um 7 Uhr, während Gerdi noch schläft. Ich reffe die Genua etwas und schalte den Steuerautomat ein. Ein wunderbares Segeln. Ich könnte viel mehr Segel setzen, aber dann könnte ich diese besondere Morgenstimmung mit dem Windchen, der mich warm umweht, nicht genießen. Erst am nächsten Tag wirft der starke Wind einige Schiffe aufs Land und hindert die Ausflugsschiffe am Anlanden.

Urlaubstage auf dem See Teil 3


Sonntag, 29. August

Die Nacht bleibt ruhig. Vor und hinter unserem Schiff schleudern Angler ihre Köder in den braunen Fluss. Es regnet, aber die Angler stört das scheinbar nicht. Gerdi legt ab und die Wetterharten winken uns fröhlich zu. Alles Grau in Grau, es regnet Schnürl. Es macht keinen Sinn, den Wetterbericht zu verfolgen. Wenn man sich mit diesem Wetter abgefunden hat ist es auch schön. Wer hadert wird die Reise abbrechen. Langsam ziehen die Ufer an uns vorbei. Reiher, Enten und Seeschwalben bevölkern Schilf und Altwässer. Der Alte Rhein bildet die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Übernachtet haben wir auf österreichischer Seite, jetzt biegen wir in die Schweiz ab, tauschen die Gastflaggen und setzen Segel. Im Dunst zeigt sich nur das Schweizer Ufer. Es regnet aus Kübeln. Eine Wolke verbirgt kurze Zeit auch das Schweizer Ufer und zieht langsam gen Süden. In Horn legen wir wieder an.
Abends – es gießt immer noch aus Kübeln – gehen wir in die „Traube“. Dicht an Dicht stehen/ sitzen dort an der „Meeting Bar“ die vielen Gäste einer Geburtstagsfeier. Ganz anders als bei uns in Deutschland. Wir nehmen in der Gaststube Platz. Zu Essen gibt’s Fischknusperli, serviert von Olivia, die sich Zeit nimmt, mit uns zu plaudern trotz der vielen Geburtstagsgäste. Der Tag endet mit Regen wie er auch begonnen hat.

Montag 30. August
6,14 Uhr am Morgen. Im Gegensatz zu Ankerplätzen gibts hier im Hafen Duschen. Und da klingelt ein einsames Handy am Hafenmeisterbüro. Weckruf und kein Mensch da. Ich daddle etwas darauf herum und entdecke eine Telefonnummer. Die rufe ich an. Es ist zwar nicht der Besitzer aber ein Freund der mit ihm am späten Abend hier war. So findet sich was zusammengehört.
Sehr gute Hörnle vom Bäcker bereichern das Frühstück. Erst kurz vor 12 legen wir ab, setzen Segel und verkleinern sie bald wieder. Am Wind eilt EOS auf direktem Weg nach Immenstaad in den Hafen. Eine schnelle, schöne Überfahrt am Wind! Gerdi bäckt 3 Uhr-Pfannkuchen. Sehr gut. Regenschauer und Wolkenlücken lösen sich ab, unser guter Reisewind schläft ein. EOS schaukelt ganz leicht an der Kaimauer.


Wir fahren immer gerne in diesen schönen Hafen, er ist nicht zu groß, hat angenehme Sanitärräume, ein gutes Gasthaus und freundliche Mitglieder. So ergibt sich auch noch eine nette Bierstunde am ovalen Clubtisch. Und der Gastwirt kann auch noch an einem guten Abendessen verdienen. Auf der EOS hören wir noch einen Ulligunde-Podcast über eine Bergsteigerin, die nach einem überaus schweren Sturz wieder zurück in ihr Leben findet und diese schwere Zeit sehr einfühlsam schildert. Der Himmel hat sich ausgeregnet und eine ruhige Nacht beendet den regenreichen Tag.


Dienstag 31, August

Vom Liegeplatz an der Einfahrt leuchten schon die beiden roten Lichter auf den Kirchturmspitzen der Schlosskirche in Friedrichshafen. Nur noch ein paar Kilometer und wir sind wieder im Heimathafen.
Die jährliche Überholung der EOS steht an. Morgen wird sie in Kressbronn bei Ultramarin ausgekrant, ich inspiziere das Unterwasserschiff, strahle es ab und walze einen neuen Antifouling- Anstrich auf. Die Bordwand wird poliert und gewachst, die Genua nachgenäht und u.U. das Roll-Großsegel angepasst oder erneuert.
Dann können Herbst und Winter mit hoffentlich schönen Segeltagen kommen.

Urlaubstage auf dem See Teil 2

… wir sind geblieben. Ruhetag am Anker. Draußen fegen die Schiffe mit gerefften Segeln. Wir hättens auch tun können, wollten aber nicht. Statt dessen ließen wir den windigen, kühlen Tag ereignislos verstreichen. Ereignislos? Auch auf unseren 20 qm dort bleiben wo man ist, die Schauspiele auf dem Wasser und in der Luft zu verfolgen sind Ereignisse.

Mittwoch 26. August
Kühler Nordost-Wind hat die warmen Sonnentage abgelöst, aber er bringt uns mit halbem Wind bis ans Seeende im Überlingersee. Ratz fatz ohne Unterbrechung durch die sonst so wechselhaften Windverhältnisse in diesem Überlinger Gewässer. Im „Löchle“, einem ehemaligen Lettenloch, umgeben von hohen Bäumen, jetzt Naturschutzgebiet, zwängen wir uns zwischen zwei Dalben, genau 3m breit. Ein Bekannter aus Freund Jörgs Zeiten berichtet von der Biberfamilie, die hier wohnt. Durch kluge Entscheidungen bei der Futterbereitstellung sind Biber und Mensch zufrieden. Die Behörde hält die Hand auf das Hafengelände und verhindert so Erweiterungen. Wir kommen gerne hier her. In Ludwigshafen kaufen wir ein paar Lebensmittel. Abends gibt’s Ratatouille zum Essen und einen Ulligunde-Podcast zum Hören.

Donnerstag 27. August
EOS schleicht bei wenig Wind die 18 km bis in die Bucht nördlich der Insel Mainau. Ein grauer, kühler Tag, unterbrochen durch einen Stop in Wallhausen zum Tanken und Fäkalien absaugen. Nur zwei weitere Segler ankern in dieser großen Bucht. Besonderes gibs nicht, nur vielleicht das Halssteak vom Grill am Heck. Das ist eine feine Sache, der Wind facht das Feuer an und der Rauch wird weggeweht.

Freitag 27. August
Der Tag schaut gut aus, kühl aber mit Wolkenlöchern. Mit Motorkraft geht’s bis zur Fährschifflinie. Dan genügt der Wind. Güttingen und Romanshorn waren Ziele, schließlich kommen wir bis Arbon an unseren Ankerplatz. Schuld sind dunkle Wolken aus denen zwar nur ein paar Tropfen fallen, aber für schön starken Wind sorgen. Mit gerefften Tüchern segeln wir angenehm und schnell. Erst auf Höhe Romanshorn schläft der Wind ein und der Volvo muß ran.
Die Bucht von Arbon ist einer der Lieblingsplätze. Die Fische müssten unsere Kette und den Anker kennen. Auch der Schwan mit seinem halbwüchsigen Jungen kommen sofort. Es sitzt sich angenehm windgeschützt hinter der Sprayhood in der warmen Sonne. Wasser 19 Grad, Gerdi steigt hinein.

Samstag 28. August
Der Himmel bietet einiges: Etwas Wind, Regenwolken, Sonnenlöcher. Die Berge sind auf 700m wie mit dem Messer abgeschnitten. Gleich nach dem Start holt uns Regen ein. Der Wind nimmt zu und wir verkleinern die Genua. Nach 30 Minuten ist alles wieder wie vorher. Als der Alte Rhein noch der „richtige“ Rhein war, hat er sich unter Wasser ein riesiges, tiefes Bett gegraben mit Bergen und Wänden, wie man auf der Grafik des Echolots sehen kann. EOS biegt in diesen Graben ein und folgt flussauf. Nachdem man dem Rhein ein neues gerades Bett aufgezwungen hat, entwässert der Alte Rhein nur mehr die nördlichen Zuflüsse. Geblieben ist ein wunderbares Naturgebiet. Im Mündungsgebiet nisten Seeschwalben. Schade, mir sind die Vögel in den Flachwasserbereichen unbekannt. So tingeln wir im Schneckentempo das überaus gut bezeichnete Fahrwasser hoch. Rechts und links nur Natur. An einer Spundwand legen wir für die Nacht an. Alles erinnert uns an die vielen Flussreisen auf Saone, Rhone, Donau.
Segeln ist kein Körpersport. Darum spannen wir die Regenschirme auf und laufen die eintönige Strasse bis zur Brücke nach Rheineck. Eisenbahngleise und Autobahn zwängen sich zwischen Rhein und dem Dorf. Autos rasen in der Regengischt. Lärm pur. Auf absurde Art schön. Wir gehen wieder zurück. Der Regen nimmt zu und klatscht auf unsere Schirme.
Zum Schluss noch eine Fleißaufgabe: Der Wassertank ist leer. Mit dem 10 Liter-Kanister trabe ich viermal zum Wetterwinkel-Yachtclub und „stehle“ Wasser. Die Nacht im Schiff ist so ruhig, man hört das eigene Rauschen des Blutes im Ohr.

Tage auf dem Bodensee, Teil 1

Dienstag 17. August
Eine kurze Fahrt nach Arbon zum Ankerplatz. Mittlerweile müssten wir den Arboner als geizige Ankerer bekannt sein, die sich Hafengebühren ersparen möchten. Dabei geht es uns um die freie Ümgebung und die weite, immer wechselnde Sicht.

Mittwoch, 18. August
Wir segeln weiter, vorbei an der Mündung des Neuen Rheins in den Sporthafen von Bregenz. Wir liegen dort an einer Mooring, das ist selten am Bodensee. Wir treffen uns mit Joachim am „Milchpilz“ einem etwas unscheinbaren fliegenpilzartigen, kleinen Kiosk. Früher gabs in Bayern als Milchwerbung viele davon. Jetzt noch sechs und einer davon steht hier und steht unter Denkmalchutz, diese liebgewonnene Bregenzer Institution. Dann gutes Eis vom „Kolibri“. Gibts noch Karten für „Rigoletto“ auf der Seebühne? Alles ausverkauft laut Internet. Aber an der Kasse sind noch zwei Plätze in der Direktionsloge frei. Etwas teuer und wir gehen wieder raus – und gleich wieder zurück. Schließlich waren wir ein Jahr ohne Ausgaben für die Kultur.


Ganz oben, weiche Sessel, überdacht, beste Sicht. Man kann nur sagen: Spektakulär! Nicht das Stück selbst. Da gehts um Liebe, Verrat, Rache. Angestaubte Oper. Aber die Aufführung! Ein hausgroßer Clownkopf. Mund, Augen und Lieder bewegen sich, ja der ganze Kopf senkt, hebt und schwenkt sich. Eine Hand mit beweglichen Fingern. Überall hängen und stehen Schauspieler. Schon der Beginn ist ei Knaller. Im plötzlichen Scheinwerferlicht springt ein Clown aus der Stirn in 20m Höhe und begrüßt die Zuschauer. Rigolettos Tochter entschwebt nach ihrer Ermordung in einem gasgefüllten Fesselbalon weit über der Bühne.
Alles ist umgeben von der wunderbaren Bodenseeumgebung, den vielen Lichtern und den Spiegelungen auf dem See. Bis nach Mitternacht genießen wir die Nachstimmung im ruhigen Hafen auf der EOS.

Donnerstag 19. August
Heute segelt uns EOD das kurze Stück nach Lindau. Metzger Vinzenmurr gibts nicht mehr, Metzgerei Kleber schon noch für Weißwürste zum Weißwurstfrühstück in Lindau. Das gehört zu Lindau und geht nicht in Bregenz oder sonstwo.

Mittags setzen wir die Reise in den Wetterwinkel fort. Auf dem Grill werden zwei Halsgrat-Steaks zu gutem Abendessen verwandelt. Eine ruhige Vollmondnacht folgt

Freitag, 20. August
Ein sanfter, warmer Morgen. Kurz vor 7 Uhr holen wir den Anker ein. Wo bleiben die vielen Quaka-Muscheln an der Ankerkette vom Frühjahr? Ausgestorben? Ein fröhlicher Fischer holt gerade mit seiner Mutter sein Netz ein. Ein großer Felchen wechselt den Besitzer. Ein Rest Leben steckt noch in ihm. EOS steuert sich selbst und ich präpariere den Fisch küchenfertig. In Horn, unserem Ziel waren wir schon jahrelangt nicht mehr. Dort haben wir vor 15 Jahren EOS gekauft. Gerdi teilt den Fisch, damit er in die Pfanne passt. Er schmeckt mit den Salzkartoffeln wunderbar und geht leicht von den Gräten.

Samstag, 21. August
Mit der Zahnradbahn fahren wir in offenem Wagen hoch nach Heiden, dem etwas eigenartigen früheren Wellnessort für Naturliebende. Langsam spazieren wir abwärts durch kühle Wälder, über sonnige Wiesen. Im Wienachts Besenbeizli kehren wir ein. Die liebenswürdige Vietnamesin ist noch da. Ein schlimmes Schicksal hat ihre Gesundheit stark eingeschränkt. Das Asia-Lokalschiff drunten im alten Rhein konnte sie nicht mehr führen. Jetzt kocht sie hier mit ihrem lieben Partner. Unten in Rorschach lassen wir Ausstellung und Balkonkaffee linls liegen und nehmen den Zug nach Horn. Nachts öffnen sich die Wolken zur Abwechslung mit kurzer, gewaltiger Sturzflut, heftigem Wind. Ein Blitz folgt dem anderen. Ein schönes nächtliches Schauspiel.

Sonntag, 22. August
2 1/2 Kilometer nur zieht uns die Genua zum Ankerplatz vor Arbon. Mäßiger Wind ist angesagt. Ein Ruhetag in der Bucht vor Arbon. Nixxxtun, lesen. Oft sind wir hier am Anker. Was denken die Leute, sind wir Geizhälse, die ihre Hafenhebühren sparen möchten? Warum sind wir meistens alleine beim ankern während Schiffe in den Häfen im Päckchen liegen müssen?

Montag, 23. August
Nach ganz ruhiger Nacht segeln wir rüber nach Langenargen, mit halbem Wind. Der Automat steuert. Beim Edeka-Esslinger füllen wir die Rucksäcke mit allem, was die Segler für einige Tage so brauchen. Dann motoren wir rüber in den Ultramarin-Hafen. Ein schrecklicher Hafen! Nur Masten, eintausend? Zweitausend? Wir verirren uns zwischen den vielen verwinkelten Pontons. Für die Jahresüberholung muß EOS am 1. September aus dem Wasser. Wir klären das mit dem Hafenmeister. Beim Bootsservice und Segelmacher gabs auch noch etwas zu klären. Dann nichts wie raus aus dem Mastengewirr und mit Motorkraft zum Ankerplatz beim Airbus-Werk. Der Wetterbericht sagt für die späte Nacht Starkwind aus Nord voraus. Auf dem Grill liegen drei Lamkotteletten und Zwiebeln in der Folie. Schmeckt sehr gut!. Während die Sonne untergeht, hören wir Ulligundes fröhlichen Podcast. Für den zu erwartenden Starkwind liegen wir günstig und fahren den Anker mit geballter Motorkraft noch einmal ein.
Dienstag, 24. August
Der Wind bließ nicht so stark wie angekündigt, ein Starkwindchen. Aber er brachte Kälte aus Nordost. Gerdi friert. EOS schaukelt etwas und der Wind brummt in den Wanten. Ich glaube wir bleiben hier vor Fischbach.

Auf fremdem Schiff…

JULIUS heißt der alte Kutter mit zwei Masten, 7,5m lang, 2,15m breit, ca. 1000 kg schwer. Er liegt in Friedrichshafen und gehört dem Verein für sozialpädagogisches Segeln. Vergangene Woche durfte ich mit zwei ganz unterschiedlichen Gruppen auf ihm segeln.

Sieben Personen einer Gemeindediakonie, ältere und junge mit Einschränkungen sind am Mittwoch meine Gäste. Ist es gefährlich? Darf ich steuern? kippt das Boot?… oder so ähnlich sind die Fragen noch an Land. Alles ganz locker, keine Gefahr und jeder darf steuern! Ich glaube, da sitzt eine angenehme Gruppe auf den schmalen Bänken! Allen an Land wird zugewunken und die Landleute winken zurück. Draußen weht ein leichter und schöner Wind. Der kleine Motor hat ab jetzt Pause, statt dessen setze ich Segel. Da muss noch der Skipper ran. Aber dann übernehmen meine Gäste die Schoten und auch die Pinne. Klar, dass ich immer Beistand leiste und korrigiere. Es ist eine lustige Fahrt, ein Wort gibt das andere. Vieles ist schwer zu verstehen und muss vom Betreuer „übersetzt“ werden. Ein junger Gast kann sich kaum an Gesprächen und am „Arbeiten“ beteiligen. Die Betreuer versuchen ihn nach seinen Möglichkeiten einzubeziehen. So ist es eben bei diesen Gruppen: Trotz großer Unterschiede ist es eine harmonische, frohe Gemeinschaft. So segeln wir, machen Wenden und Halsen und freuen uns an den Wellen der großen Fahrgastschiffe. Es freut den Skipper, wenn sich nach dem Anlegen im Hafen die Gäste immer wieder bedanken und von den vergangenen Stunden begeister erzählen.

Eine andere Gruppe wollte zuerst am Samstag segeln. Der Wetterbericht hat aber vor Unwetter gewarnt und so haben wir alles auf den sonnigen Freitag vorverlegt. Was die alles dabei haben, sind meine Gedanken, als ich sie die Dachbox ausladen sehe. Zwei Familien mit drei Jugendlichen aus Berlin und ein Gast von der Ostsee. Nach den ersten Worten weiß ich: Das wird eine gute Reise. Zwei erfahrene Segler sind dabei. Beim Ausfahren geraten wir in einen Pulk Vorfahrt berechtigter Fahrgastschiffe. Mit Hafenrunde klappt das. Der schwache Wind draußen füllt die Segel gerade noch. Bei fröhlichen Gesprächen geht’s langsam dahin. Diese Besatzung hätte viel mehr Wind vertragen. Aber die Sonne scheint und das Lüftchen bringt uns vorwärts. Ein Wetter zum Baden. Im Bodensee baden, vom Schiff aus, ist auch ein Genuss. Einige lassen sich an einem Seil ziehen. Sogar zum Pullen kann ich sie animieren. Hätten sie die schweren Riemen gesehen, ob sie es dann noch gewollt hätten? Unser Marinespezialist aus Kiel hat es gut erläutert und das Kommando übernommen. Und es hat geklappt. Dann wurde aufgetischt! alles hausgemacht: Buletten, Kartoffelsalat nach Berliner Art, Nudelsalat, Würstl usw., alkoholfreies Radler, Grapefruitsaft. Vom ****-Restaurant Julius war die Rede.

Alles gezaubert auf dem Campingplatz in Litzelstetten im Zelt! Respekt!

Weit sind wir nicht gekommen, mehr kreuz und quer gefahren. Entfernung stand nicht im Vordergrund, statt dessen Freude und Abwechslung.

Wieder einer dieser schönen Tage auf dem See, mal nicht auf unserer EOS.

Da bedanke ich mich ganz herzlich bei den beiden Gruppen, dass ich sie skippern durfte.

Gerhard

Drei schöne Segeltage

Joachim und ich starten am Freitag. Ganz leichter, aber beständiger Wind bringt uns zum Ankerplatz hinter der Mainau. Nahezu alles mit Wind. Der kleine Trimaran hat seinen Stammplatz am Ufer auch schon eingenommen. Immer wenn wir kommen ist er auch da. Im rötlichen Abendlicht leuchten die Berge zwischen der Insel Mainau und dem Festland. Am Samstag fahren wir noch ein paar Kilometer weiter nach Wallhausen zum Tanken und gleich wieder zurück. Auf der Flachstelle vor dem Kippenhorn haben wir noch nie geankert. Der Platz ist auch nur bei Nordwinden geschützt. Für die kommende Nacht sagen die Wetterberichte schwachen Nordwind voraus. Es wird ein friedlicher Abend mit rotem Sonnenuntergang und Vogelgesang. Natürlich ankert hier niemand. Auch der Morgen startet klar. Wir haben einen schönen Ankerplatz mit gutem Sandgrund entdeckt. Die neuen Quagga-Muscheln haben sich in großer Zahl an die Ankerkette gekrallt. Mit dem Schrubber am Stiel streifen wir sie zurück ins Wasser. Der Wind nimmt ständig zu. EOS legt sich kräftig über. Im Laufe der Zeit reffen wir immer mehr und stellen fest, das sie auch mit dieser kleinen Segelfläche Höchstgeschwindigkeit läuft, dabei aber viel weniger Ruderkraft nötig ist. Diese sanfte Segelei ist mir lieber als das Dahinrasen mit starker Schräglage. Es belastet Schiff und Steuerleute. Wir segeln noch bis Langenargen und dann wieder zurück nach Friedrichshafen.

Die kleine Reise

Samstag vor dem Pfingstfest. EOS wird zum Lastensegler. Wir bringen ein Schränkchen nach Bregenz zum Joachim. Zur Zeit ist Reisen etwas umständlich. Ein Covid-19 Test und eine „Clearance“ für das österreichische Ausland sind nötig.

Dann treibt uns der starke achterliche Wind, die zweite Hälfte der Strecke  mit Schmetterlingssegeln im Eiltempo nach Bregenz in den Hafen. Joachim hat uns auf Google verfolgt und springt über. Dann kreuzen wir noch eine oder 2 Stunden in der Bregenzer Bucht, bevor wir zum Abendessen zurückfahren. Spargel aus Tettnang mit gehaltvoller Sauce und Kartoffeln gibts. Vorher bringen wir das Schränkchen aber noch zu Joachims Dachwohnung. Freut mich: Es passt genau. Schön wohnt er dort oben, etwas Sicht gibts auch. Gin Tonic gibts zum Abschied.

Das Wetter am Pfingstsonntag meint es gut mit den Menschen am ersten Tag nach den Corona-Einschränkungen. Viele Leute auf den Wegen, gut besuchte Gaststätten drinnen und draußen. Nur das Freibad ist menschenleer. Liegts am kalten Wasser? Bregenz bietet eine angenehme Altstadt, bewegt man sich nur etwas aus der quirligen Seegegend heraus und in die Höhe. Maßvoll erweiterte und gepflegte Häuser, ein Paar sitzt auf netten Klappstühlchen um einen runden Metalltisch und unterhält sich. Oben am Kirchplatz hat sich ein Senior mit Strohhut seinen Stuhl in die Sonne gerückt und liest. Ein kleines Häuschen nähert sich langsam dem Verfall, wird aber noch bewohnt und glänzt mit einer Auto-Elektrotankstelle. Auf der Rückseite wartet ein kleiner nicht mehr ganz kompletter grauer Austin Martin auf sein Ende oder eine aufwendige Restauration. Die  Verkehrszeichen mit ihren Personen drauf stammen aus der vorletzten Straßenschilder-Generation. Mitten drinnen warnt ein rätselhaftes Schild vor Flugzeuglärm. Dann tauchen wir wieder ins quirlige Leben ein.

Joachim kommt noch einmal zum Abendessen. Diesmal gibts zarte Lendchen mit Reis und Bohnen.

Barometer und Wetterbericht weisen auf Regen und kühle Temperaturen hin. Ein Katzensprung von 5 Kilometern führt uns zum Ankerplatz vor der Mündung der Dornbirner Ache. Ich tausche die Ventile unserer Toilette und hoffe auf Erfolg*. Draußen nutzen kleine Kinder die mächtigen Sandberge für ihre Zwecke. Der kleine Bruder immer als letzter den anderen nach. Ein wunderbarer Spielplatz!

Jetzt am anderen Vormittag lassen wir uns immer noch an diesem schönen Ankerplatz schaukeln. Die Sandberge gehören den Werktätigen. Der Schaufelbagger kippt eine Schaufel Sand nach der anderen auf schwere LKWs. So erreicht der ehemalige Alpenboden nicht einmal den Bodensee.

Die Nacht vorher war heftig. Kurz vor Mitternacht, wir gehen gerade zu Koje da brist es gewaltig auf. EOS zittert und lärmt. Nichts mit Koje. Ich sitze draußen unter der Sprayhood, Kissen im Rücken, Decke über den Beinen und beobachte den Standort. 7m Wassertiefe, 30 m Kette. Der Anker hält. Wunderbar, wenn man Anker und Kette vertrauen kann. Nach 2 Stunden ist die Front durch und ich tausche den Beobachtungsposten mit der Koje. Jetzt ist das Brummen und das sanfte Schaukeln angenehm und wiegt mich in den Schlaf.

Der nächste Tag ist windig, für unser Ziel gegen-windig. Wir bleiben noch einen Tag an diesem schönen Ort. Rentner haben Zeit. Abends eröffnen wir die Grillsaison mit drei saftigen Halssteaks und Salat. Der Supermond schiebt sich langsam übers Gebirge und versteckt sich gelegentlich hinter den flockigen Wolken. Wir schlafen gut.

Der letzte Tag beschert uns eigenartiges Wetter. Schöner Wind aus Südost und dann immer kräftigere Wellen aus Nordwest. Da kommt etwas auf uns zu. Wir erkennen Martin auf seiner Kulja. Das kleine Schiff müht sich langsam Friedrichshafen zu. Wir wollen versuchen ihn zu schleppen. In diesem Augenblick wechselt der Wind und bläst aus West. Schleppen nicht mehr nötig. Der Wind legt zu und wir reffen beide Segel. Also ein schöner Abschluss dieser angenehmen Tage.

*Die Reparatur war erfolgreich

Ankern in Pandemiezeiten

Übernachten im Hafen ist nicht möglich, Viren könnten von Schiff zu Schiff wandern!

Dann bleiben wir außerhalb der Häfen und ankern. Uns ist Ankern auch lieber. EOS bewegt sich immer, ungehindert schwenkt die Sicht in alle Richtungen. Mit 10° Wasser- und 3° Nachttemperatur bleibt es abends noch frisch. Dagegen kämpft aber unsere Dieselheizung erfolgreich an. Energie für Licht, Kühlschrank und sonstige Verbraucher liefert die Sonne über unsere Solarzelle. Essen und Trinken hat Gerdi von zu Hause mitgebracht.

Wo wir auch hinfahren: Ob von Friedrichshafen zum Ankerplatz bei Immenstaad, oder von dort in die Bucht hinter dem Rheindamm oder von Arbon zurück nach Friedrichshafen, Richtung und Stärke stimmen. Nur vom Rheindamm in die Bucht vor Arbon schwächelt der Luftstrom und der Motor arbeitet eine Stunde.

Fährt man um diese Jahreszeit auf dem Bodensee immer mehr nach Südost, nähert man sich den Bergen. Unten sind die Hänge schon Gras-grün, weiter oben herrscht noch Schnee vor. Ein wunderbares Bild wenn die Sonne scheint und für Kontrast sorgt. Ich kann mir keine Landschaft vorstellen, die schöner ist.

Silbersonne

Die güldne Sonne / voll Freud und Wonne …

…nein, diesmal nicht gülden, sondern silbern geht die Sonne an diesem Sonntag auf. Selten und eigenartig. Der Himmel stahlblau mit ovalen, länglichen Linsenwolken gesprenkelt. Nachts pustete ein windreiches Fönband über den südlichen Seeteil zwischen Bregenz und Lindau. Hier in Seemitte waren davon nur ein paar kleine Wellen zu spüren. Es kündigt sich aber eine Wetterumstellung an. Der Fön wird enden und im Westen stehen schon die grauen Wolken bereit. Eine angenehme Ankernacht und ein ebensolcher Morgen liegen hinter uns. Gegen Mittag schiebt uns ein ganz leichter Wind zurück nach Friedrichshafen. Die Leute am Ufer genießen diese fönwarmen Stunden. Der vergangene kalte Winter und die unangenehme Coronaeinsamkeit treiben sie ins Freie. Gerdi fährt mit dem Auto zurück und ich ziehe noch die Plane über unsere EOS, dann radle ich heim. Kristallklar wie ganz selten zeigt sich das Gebirge. Morgen wird alles im Regengrau verschwunden sein.