Radtour zur Argen

 

Die Argen: Es zieht uns immer wieder da hin. Nicht zu den letzten Kilometern bevor sie in den Bodensee mündet, sondern weiter oben, wo nur schmale Pfade das Wasser begleiten und wenige Menschen laufen. Jetzt führt der Fluss wenig Wasser. Nach Regenfällen lassen wir uns gerne mit unserem Beiboot den Fluss hinabtreiben. Das ist am schönsten. Ein wenig Wildwasser.

Heute fahren Karl und ich die 20 Kilometer bis vor den Zusammenfluss der beiden Argenarne mit dem Fahrrad und sichern die Räder dann an einem Baum. Auf dem Weg Argen aufwärts begleitet uns ständig das rauschen des Wassers und der Gesang der Vögel. Sehr angenehm, auf den schmalen wurzeligen, schattigen Pfaden zu gehen. Irgendwo auf einer Kiesbank packen wir die Brotzeit aus. Die Sonne blitzt in den kleinen Wellen. Man möchte gar nicht mehr weiter gehen. Die Argen beschreibt hier einen riesigen Bogen und auf etwas verschlungenen Wegen über den Pflegelberg, es ist eigentlich nur ein Hügel, kommen wir wieder zu unseren Fahrrädern.

Wo sind die Chancen für einen Wirtsgarten am größten? Südlich der Argen bei den kleinen Seen. Mühsam schieben wir unsere Räder die steilen geschotterten Kieswege auf die Höhen. Aber wo es kräftig hoch geht, gehts auch wieder hinunter. Angenehm kühlt der Fahrtwind wenn wir die schmalen Sträßchen abwärts sausen. Die Wirtsgartensuche ist vollkommen erfolglos. Montag, Coronaeinschränkung, nur Abendöffnung. Also keine Einkehr. Im Tettnanger Wald verabschieden wir uns. Einiges über 50 gefahrene und gelaufene Kilometer zeigt die Handykarte an.

Am Brotzeitplatz (Copy)An der Argen (Copy)Hier fließen die Argen zusammen (Copy)Seilsicherung wie auf den Bergen (Copy)

 

EOS in Reparatur -1-

Mit der letzten Lackierung der Kajüten-Seitenwand waren wir nicht zufrieden. Jetzt steht das Schiff wieder an Land und in einer Hallenbox der Michelsen Werft. Wegen der derzeitigen Ansteckungsgefahr kann ich nicht am Schiff sein, wenn die Werftarbeiter dort tätig sind. Heute am Samstag waren Gerdi und ich dort. Die Fenster sind herausgenommen, die Kajütenseitenwände außen abgezogen und das abgesplitterte Holzteil unter der Steuerbordklüse wurde ersetzt. Die Fensterscheiben habe ich mit nach Hause genommen und poliert. Jetzt geht der Blick wieder klar nach außen. Auch die Pinne ist im Keller mitten im Lackaufbau.

Heute ist ein ganz kleiner Feiertag. Gerdi und ich Gerdi und ich sind 39 Jahre verheiratet. Während ein Seglerkollege auf der Schienenbahn zu Wasser fährt, sitzen wir bei Sekt und Kirschkuchen am Ufer und haben den See vor uns.

EOS wird jetzt dann 9 mal mit 2K-Lack gestrichen und erhält noch einen zweifachen asbschließenden Deckanstrich. Die braune Alterung an den Bordwänden soll auch noch glänzend poliert werden. Ich selbst trage noch den Unterwasser-Anstrich auf.

39. Hochzeitstag an der Werft (Copy)

Bei Landolt in der Werftbox (Copy)

Die Plicht (Copy)

Neu eingesetztes Holzteil. (Copy)

Ohne Fenster (Copy)

EOS fährt an Land

EOS muß an der Kajüte neu lackiert werden und auch die Bordwände haben im Wasser der Ostsee gelitten. Da muss die braune Verfärbung wegpoliert und neu zum Glänzen gebracht werden. EOS wird dann auf einer schrägen Schienenbahn vom Wasser an Land gezogen.

Da gibts noch einen lustigen Zwischenfall. Ein Segler hat nach dem Abslippen sein Ruder verloren und konnte es im Wasser nicht mehr anbringen. Er winkt mir wie eine Windmühle zu und bittet, dass ich die Werft anrufe, damit er noch einmal hochgezogen werden kann, um das Ruder einzuhängen und zu sichern. EOS schleppt ihn dann wieder zum Slip und nachdem da alles behoben war kommen wir an die Reihe. Alles klappt einwandfrei. Als erstes übergebe ich einen Kuchen von Gerdi für die Werftarbeiter. Dann spritze ich das Unterwasserschiff mit Hochdruck ab, wir legen den Mast und der Meister fährt EOS mit einem universalbeweglichen Hänger in die Halle.

Laufen und beobachten

Jetzt in der schönsten Zeit. Der gefühlte Frühling ist da. Will man den Übergang von der Nacht in den Tag erleben, muss man früh aufstehen. Heute habe ich neben den Walking-Stöcken auch meinen Fotoapparat dabei. Es gibt manches zu sehen (und zu hören!), das mich beschäftigt.

Wenn ich aus der Haustür trete, sehe ich diesen österlich geschmückten, blühenden Quittenbaum. Gerdi hat ihm diese Farbtupfer gegeben.

Österlicher Quittenbaum (Copy)

Dann das Gegenteil, der Nussbaum: Früher gabs da im Herbst etwas Nüsse zu sammeln. Die Türken im Nachbarhaus nutzten das. Dann wurde er plötzlich sehr krank. Warum? Seine Äste fallen fast von selbst ab. Schade.

Wie lange gibts den Nussbaum noch (Copy)

Hier wachsen viele Misteln auf diesem Baum. Efeuranken werden ihn wohl erwürgen. Aber das besondere an diesem Bild ist der kleine Punkt rechts oben. Jupiter glänzt am Morgenhimmel. Im Schlepptau hat er Mars und Saturn. Aber die beiden sind unsichtbar und müssen noch näher kommen. Venus dagegen beherrscht den Abendhimmel.

Misteln am Baum (Copy)

Nicht weit davon die Baustelle: Viel Platz hat sie nicht, darum lagert alles Material in der Baugrube. Ständig wird Wasser abgepumpt. Die Grube ist wohl tiefer als der Wasserspiegel der Schussen. Tagelang wurde kürzlich Beton in den Untergrund gepumpt. Wir haben uns für eine der Wohnungen interessiert.

Ich freue mich immer, wenn ich zur Schussen hin abbiege. So schön, die Kirche und der Steg. Um diese Jahreszeit garniert mit Vogelmusik und leider auch mit Bundesstrassen-Lärm.

Gelegentlich erhält diese Eisenbahnbrücke eine farbliche Ergänzung durch Graffiti-Künstler. Hier können die werdenden Kunst-Sprayer üben.

Platz für Grafitti-Künstler (Copy)

Ein paar Kilometer begleitet mich die Bahnlinie Friedrichshafen- Lindau. Man hat in den vergangenen Monaten die Strecke mit einer elektrischen Fahrleitung ausgestattet. Raben nehmen Leitungen und Masten dankbar an. Es fährt aber noch kein elektrischer Zug, weil zwischen Friedrichshafen und Aulendorf noch die Oberleitung fehlt.

Einen Teil der Züge betreibt jetzt nich mehr die DB. Die Züge sind gelb/schwarz und haben noch einige Probleme, manchmal übervoll, gelegentlich technische Störungen.

Der neue Zug (Copy)

Wer wohl noch an diesen Holzmast denkt? Als ich vor vielen Jahren nach Friedrichshafen kam. gabs da noch ein rundes Betonfundament mit Schrauben und der Pfahl war viel höher. Im Krieg wurden von hier feindliche Bomber mit dem Ziel Friedrichshafen abgeschossen. Der Pfahl ist für mich eine Art Denkmal, wahrscheinlich nur für mich.

Aus Kriegszeit - KopieRelikt aus dem Krieg (Copy)

Dieser schlampige Garten, Die Besitzerin wird immer älter und schafft die Pflege wohl nicht mehr. Ob ihr der männliche Helfer fehlt? Es gäbe nette Geschichtchen zu Ort und Besitzerin, aber die sind nichts für fremde Augen.

Ein paar Gärten weiter. Wenn der Besitzer da ist, unterhalte ich mich gerne mit ihm. Ein pensionierter Ingenieur, Hobbikünstler, Windradfan und Imker. Sein Windrad mit nur einem Flügel gabs früher mal als mächtigen Energieliferanten, konnte sich aber nicht durchsetzen. Bei viel Wind hat das Gebilde zu sehr vibriert.

Beim Don Bosco Haus, „mehr . weniger . anders“ verspricht der neue Infoblock, wende ich mich zum See und kehre dann wieder um. Im Naturschutzgebiet steht dieses Tagungsgebäude. Bestandsschutz.

Tagungshaus (Copy)

Ein Abstecher zur Aussichtsplattform führt zum schönsten Ort, egal bei welcher Jahreszeit. Im Winter führen dort tausende von Enten ihr langsames Gemeinschaftsballet auf. Sie überwintern hier im flachen Wasser. Jetzt sind sie längst wieder auf dem Rückflug. Früher gabs hier einen 200m breiten Schilfgürtel. Aber das ist abgestorben. Kein Mensch weiß warum. Der Blick über den See mit den Bergen im Hintergrund und Friedrichshafen ist wunderbar.

Von der Plattform aus gesehen (Copy)

Im Naturschutzgebiet dürfen Bäume in Ruhe leben und Würde sterben.

Alt und interessant (Copy)Gestorben (Copy)

Noch einmal über die Schussen. Träge schiebt sich das braune Wasser (arg sauber ist es wohl nicht, aber es sei Moorwasser, sagt man) dem Bodensee entgegen.

Windstille (Copy)

Jetzt, über der Bahnlinie laufe ich in Eriskirch ein. Vor dem ersten Haus parkt ein Lincoln. Einen zweiten hat ein schweizer Autotransporter abgeholt. Der hier kostet 9000€.

Der Oldtimer (Copy)

Der POCO-Kubus leitet mich wieder in die geschäftige Wirklichkeit. Er sagt „Natur, bis hierher und nicht weiter!“ Darüber wacht auch die überaus hässliche Betonkanzel. Seit einem Monat prangt dort das Verkaufs-Transparent. Der Preis ist wohl zu hoch und das Gebäude zu hässlich

Es wird aber noch hässlicher.  Die ehemalige Galvanisier-Firma, mein „Grawitschko“ sehe ich von der Rückseite. Ich habe mal einen Blog darüber geschrieben. Da baut doch tatsächlich jemand bis an die Grenze zur alten Halle!

Grawitschko, Rückseite (Copy)

Jetzt noch einen Kilometer und ich bin zu Hause. 10 Kilometer insgesamt, sie bieten immer wieder Abwechslung, egal bei welchem Wetter – und man kann seine Gedanken wandern lassen.

 

 

 

Sommertag

Ein Hoch über ganz Deutschland. Wir wandern wieder einmal im hügeligen Land hinter Tettnang. Die Kirschbäume präsentieren sich in schönster Blütenpracht. Birnen- und Apfelbäume warten noch einige Tage. Auch der Hopfen schiebt ganz feine Köpfchen aus der trockenen Erde. Bald wird er sich an den feinen Drähten hochranken. Es ist eine sonderbare Landschaft. Dicht an dicht stehen die niederen Bäumchen Reihe an Reihe, gehalten an einem Stab und darüber oft ein Netz, das später vor Hagelkörnern schützt. Von oben sieht es manchmal aus, als lägen weiße Decken über dem Land.

Die Brünnensweiler Höhe ziert eine kleine Marien-Kapelle. Weit reicht der Blick rundum. Bodensee und Berge dahinter verschwimmen im Dunst. Die Eiszeit hat hier einen Moränenhügel stehen gelassen. Wir packen Gerdis Brotzeit aus und genießen Wärme, Sicht und Brotzeit.

Holzernte (Copy)Buchenholz (Copy)Schönes Land (Copy)Kirschen blühen (Copy)Die ersten Kirschblüten (Copy)Industrieobst (Copy)Apfelblüten warten noch (Copy)Die Käserei in Siggenweiler (Copy)Der erste Hopfen sprießt (Copy)Sehr alt, aber erblüht (Copy)Der alte Baum (Copy)Brotzeit (Copy)

Über der Argen

Eis schützt vor Kälte (Copy)Bauern erwarten Nachtfrost (Copy)An der Argen bei Schlosswald (Copy)Veilchenzeit (Copy)Unten die ArgenAm Weg (Copy)Brotzeit (Copy)Abwärts zur Argen (Copy)Frühling (Copy)Am Langensee (Copy)

Sonne, aber ein eiskalter, starker Ostwind bläst. Die Obstbauern haben Angst davor. Er könnte die neuen Blüten zerstören. Sie beregnen ihre Obstfelder damit sichBlättchen und Blüten mit Eis überziehen. Wärme wird durchs kristallisieren erzeugt. Unglaublich, aber es wirkt. Wir staunen. Schön windet sich der Weg über der Argen entlang. Wir haben immer das angenehme Wasserrauschen im Ohr. Ein feines Tal, vorbei an einem ehemaligen großen Hangrutsch, an abgelegenen, schönen Höfen, an Streuobstwiesen und leeren Hopfenfeldern und durch schütteren, vom letzten Sturm etwas zerrupften Fichtenwald. Beim Weiler Blumegg verlassen wir das Argental und laufen hoch über dem Tal zurück. Am Hof Reisenbronn machen wir auf einer sonnigen und windstillen Bank Brotzeit. Brote, Radieschen, Gurken, Erdnüsse, Schokolade und ein Schnäpschen. Schmeckt gut. Ziemlich steil führt der Pfad wieder abwärts zur Argen.

Der moderne Wanderer faltet keine Papierkarte mehr auf. Er sieht seinen Standort, den Wegverlauf und alles drumherum deutlich auf der Smartphone-App. Viel einfacher als früher (solange die Technik keinen Streich spielt).

Segeltage

Ganz wenig Wind (Copy)Bratwürstl + Kartoffeln (Copy)DSC08584 (Copy)Kein Wind-kein Segeln (Copy)Abendrot-Schönwetterbot (Copy)Am Abend (Copy)Allerletzte Sonne (Copy)Sonnenaufgang (Copy)

Der Wetterbericht sagt eine Woche Schönwetter voraus und der Lawinenbericht die günstigste Lawinenlage für Skitouren. Aber das Madlenerhaus in der Silvretta muss schließen. Ein Virus mit hoher Ansteckungsgefahr zwingt zu Einschränkungen. Aus unserer Skiwoche wird nichts. Sehr schade!

Gerdi und ich, wir beide haben unser Boot und den Bodensee. Für Essen sorgen Gerdi und die Biokiste, für Trinken Tee und die Rapp Bierkiste und für Wärme die Dieselheizung. Tagsüber wärmt die Frühlingssonne prächtig und die Abende mit den feuerroten Sonnenuntergängen erinnern an unsere Reise in den hohen Ostsee-Norden. Häfen meiden wir, es könnte sich eine Vire auf die EOS verirren. Und am Anker ist es viel schöner. Die Heizung verbreitet angenehme Wärme und das Essen schmeckt. Am Morgen herrscht draußen noch Winterkälte. Stört uns nicht, wir lassen die Heizung brummen. Die Tage schleichen dahin. Regattasegler mit dem Hang zur Geschwindigkeit würden wahnsinnig werden. Gerade noch füllt das Lüftchen die Segel. EOS kommt kaum vom Fleck. Ist gut so. Gelegentlich unterstützt uns der Motor.

Vor dem Airbus-Werk , das sich hinter mächtigen Bäumen verbirgt, ankern wir. Dann neben der Insel Mainau, im Sommer sehr beliebt bei Kaffee-Seglern, jetzt ist außer uns niemand hier. Dann vor die Schweiz zwischen dem roten Gutshof und der neuen Psychoklinik. Weit entfernt pendelt der Katamaran zwischen Konstanz und Friedrichshafen. Sein Betrieb ist bereits ausgedünnt.  Was erwartet uns in den nächsten Tagen/ Wochen?