Urlaubstage auf dem See Teil 3


Sonntag, 29. August

Die Nacht bleibt ruhig. Vor und hinter unserem Schiff schleudern Angler ihre Köder in den braunen Fluss. Es regnet, aber die Angler stört das scheinbar nicht. Gerdi legt ab und die Wetterharten winken uns fröhlich zu. Alles Grau in Grau, es regnet Schnürl. Es macht keinen Sinn, den Wetterbericht zu verfolgen. Wenn man sich mit diesem Wetter abgefunden hat ist es auch schön. Wer hadert wird die Reise abbrechen. Langsam ziehen die Ufer an uns vorbei. Reiher, Enten und Seeschwalben bevölkern Schilf und Altwässer. Der Alte Rhein bildet die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Übernachtet haben wir auf österreichischer Seite, jetzt biegen wir in die Schweiz ab, tauschen die Gastflaggen und setzen Segel. Im Dunst zeigt sich nur das Schweizer Ufer. Es regnet aus Kübeln. Eine Wolke verbirgt kurze Zeit auch das Schweizer Ufer und zieht langsam gen Süden. In Horn legen wir wieder an.
Abends – es gießt immer noch aus Kübeln – gehen wir in die „Traube“. Dicht an Dicht stehen/ sitzen dort an der „Meeting Bar“ die vielen Gäste einer Geburtstagsfeier. Ganz anders als bei uns in Deutschland. Wir nehmen in der Gaststube Platz. Zu Essen gibt’s Fischknusperli, serviert von Olivia, die sich Zeit nimmt, mit uns zu plaudern trotz der vielen Geburtstagsgäste. Der Tag endet mit Regen wie er auch begonnen hat.

Montag 30. August
6,14 Uhr am Morgen. Im Gegensatz zu Ankerplätzen gibts hier im Hafen Duschen. Und da klingelt ein einsames Handy am Hafenmeisterbüro. Weckruf und kein Mensch da. Ich daddle etwas darauf herum und entdecke eine Telefonnummer. Die rufe ich an. Es ist zwar nicht der Besitzer aber ein Freund der mit ihm am späten Abend hier war. So findet sich was zusammengehört.
Sehr gute Hörnle vom Bäcker bereichern das Frühstück. Erst kurz vor 12 legen wir ab, setzen Segel und verkleinern sie bald wieder. Am Wind eilt EOS auf direktem Weg nach Immenstaad in den Hafen. Eine schnelle, schöne Überfahrt am Wind! Gerdi bäckt 3 Uhr-Pfannkuchen. Sehr gut. Regenschauer und Wolkenlücken lösen sich ab, unser guter Reisewind schläft ein. EOS schaukelt ganz leicht an der Kaimauer.


Wir fahren immer gerne in diesen schönen Hafen, er ist nicht zu groß, hat angenehme Sanitärräume, ein gutes Gasthaus und freundliche Mitglieder. So ergibt sich auch noch eine nette Bierstunde am ovalen Clubtisch. Und der Gastwirt kann auch noch an einem guten Abendessen verdienen. Auf der EOS hören wir noch einen Ulligunde-Podcast über eine Bergsteigerin, die nach einem überaus schweren Sturz wieder zurück in ihr Leben findet und diese schwere Zeit sehr einfühlsam schildert. Der Himmel hat sich ausgeregnet und eine ruhige Nacht beendet den regenreichen Tag.


Dienstag 31, August

Vom Liegeplatz an der Einfahrt leuchten schon die beiden roten Lichter auf den Kirchturmspitzen der Schlosskirche in Friedrichshafen. Nur noch ein paar Kilometer und wir sind wieder im Heimathafen.
Die jährliche Überholung der EOS steht an. Morgen wird sie in Kressbronn bei Ultramarin ausgekrant, ich inspiziere das Unterwasserschiff, strahle es ab und walze einen neuen Antifouling- Anstrich auf. Die Bordwand wird poliert und gewachst, die Genua nachgenäht und u.U. das Roll-Großsegel angepasst oder erneuert.
Dann können Herbst und Winter mit hoffentlich schönen Segeltagen kommen.

Ein Kommentar zu „Urlaubstage auf dem See Teil 3

  1. Danke mein Schatz für die „Leitung“ dieses fast winterlichen Segeltörns. An der Ostsee im Okt. war’s nie so unwirtlich. Skiunterwäsche und Wollpulli, Daunenweste im August statt Flatterkleidle und Bikini. Ölzeug machte mich fast täglich zum formlosen Neutrum, Mütze und Südwester verhüllten die Naturlocken. Aber ich hab zuverlässig gesteuert und seglerisch funktioniert. Als dein Smutje fiel mir immer was ein und die Blumen am Tisch und am Heck freuten sich dass sie dem Dauerregen entkommen waren…. Jetzt daheim meldet der Wetterbericht „Regen vorbei und wärmere Temperaturen…bis 27°“- aber mein einziger Sommer-Urlaub ist zu Ende…

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