Urlaubstage auf dem See Teil 2

… wir sind geblieben. Ruhetag am Anker. Draußen fegen die Schiffe mit gerefften Segeln. Wir hättens auch tun können, wollten aber nicht. Statt dessen ließen wir den windigen, kühlen Tag ereignislos verstreichen. Ereignislos? Auch auf unseren 20 qm dort bleiben wo man ist, die Schauspiele auf dem Wasser und in der Luft zu verfolgen sind Ereignisse.

Mittwoch 26. August
Kühler Nordost-Wind hat die warmen Sonnentage abgelöst, aber er bringt uns mit halbem Wind bis ans Seeende im Überlingersee. Ratz fatz ohne Unterbrechung durch die sonst so wechselhaften Windverhältnisse in diesem Überlinger Gewässer. Im „Löchle“, einem ehemaligen Lettenloch, umgeben von hohen Bäumen, jetzt Naturschutzgebiet, zwängen wir uns zwischen zwei Dalben, genau 3m breit. Ein Bekannter aus Freund Jörgs Zeiten berichtet von der Biberfamilie, die hier wohnt. Durch kluge Entscheidungen bei der Futterbereitstellung sind Biber und Mensch zufrieden. Die Behörde hält die Hand auf das Hafengelände und verhindert so Erweiterungen. Wir kommen gerne hier her. In Ludwigshafen kaufen wir ein paar Lebensmittel. Abends gibt’s Ratatouille zum Essen und einen Ulligunde-Podcast zum Hören.

Donnerstag 27. August
EOS schleicht bei wenig Wind die 18 km bis in die Bucht nördlich der Insel Mainau. Ein grauer, kühler Tag, unterbrochen durch einen Stop in Wallhausen zum Tanken und Fäkalien absaugen. Nur zwei weitere Segler ankern in dieser großen Bucht. Besonderes gibs nicht, nur vielleicht das Halssteak vom Grill am Heck. Das ist eine feine Sache, der Wind facht das Feuer an und der Rauch wird weggeweht.

Freitag 27. August
Der Tag schaut gut aus, kühl aber mit Wolkenlöchern. Mit Motorkraft geht’s bis zur Fährschifflinie. Dan genügt der Wind. Güttingen und Romanshorn waren Ziele, schließlich kommen wir bis Arbon an unseren Ankerplatz. Schuld sind dunkle Wolken aus denen zwar nur ein paar Tropfen fallen, aber für schön starken Wind sorgen. Mit gerefften Tüchern segeln wir angenehm und schnell. Erst auf Höhe Romanshorn schläft der Wind ein und der Volvo muß ran.
Die Bucht von Arbon ist einer der Lieblingsplätze. Die Fische müssten unsere Kette und den Anker kennen. Auch der Schwan mit seinem halbwüchsigen Jungen kommen sofort. Es sitzt sich angenehm windgeschützt hinter der Sprayhood in der warmen Sonne. Wasser 19 Grad, Gerdi steigt hinein.

Samstag 28. August
Der Himmel bietet einiges: Etwas Wind, Regenwolken, Sonnenlöcher. Die Berge sind auf 700m wie mit dem Messer abgeschnitten. Gleich nach dem Start holt uns Regen ein. Der Wind nimmt zu und wir verkleinern die Genua. Nach 30 Minuten ist alles wieder wie vorher. Als der Alte Rhein noch der „richtige“ Rhein war, hat er sich unter Wasser ein riesiges, tiefes Bett gegraben mit Bergen und Wänden, wie man auf der Grafik des Echolots sehen kann. EOS biegt in diesen Graben ein und folgt flussauf. Nachdem man dem Rhein ein neues gerades Bett aufgezwungen hat, entwässert der Alte Rhein nur mehr die nördlichen Zuflüsse. Geblieben ist ein wunderbares Naturgebiet. Im Mündungsgebiet nisten Seeschwalben. Schade, mir sind die Vögel in den Flachwasserbereichen unbekannt. So tingeln wir im Schneckentempo das überaus gut bezeichnete Fahrwasser hoch. Rechts und links nur Natur. An einer Spundwand legen wir für die Nacht an. Alles erinnert uns an die vielen Flussreisen auf Saone, Rhone, Donau.
Segeln ist kein Körpersport. Darum spannen wir die Regenschirme auf und laufen die eintönige Strasse bis zur Brücke nach Rheineck. Eisenbahngleise und Autobahn zwängen sich zwischen Rhein und dem Dorf. Autos rasen in der Regengischt. Lärm pur. Auf absurde Art schön. Wir gehen wieder zurück. Der Regen nimmt zu und klatscht auf unsere Schirme.
Zum Schluss noch eine Fleißaufgabe: Der Wassertank ist leer. Mit dem 10 Liter-Kanister trabe ich viermal zum Wetterwinkel-Yachtclub und „stehle“ Wasser. Die Nacht im Schiff ist so ruhig, man hört das eigene Rauschen des Blutes im Ohr.

Ein Kommentar zu „Urlaubstage auf dem See Teil 2

  1. Mein einziger mehr als 4-tägiger Sommer-Urlaub. Kein Sommergefühl… die Shorts und Trägerhemdle, die 3 Sommerkleider, die Blüsle für den Landgang, 2 Paar Sandalen zum Barfuß-an-Bord-Leben? Ungetragen. Dafür sind Skiunterwäsche und Wollsocken, Ölzeug und Gummistiefel im Dauereinsatz. Danke meinem findigen Skipper für die Tourenplanung-wir wärmen uns an Erinnerungen an glutheiße Wochen in Ägäis und Sizilien. Jetzt läuft öfter die Dieselheizung… gemütlich.

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