Tage auf dem Bodensee, Teil 1

Dienstag 17. August
Eine kurze Fahrt nach Arbon zum Ankerplatz. Mittlerweile müssten wir den Arboner als geizige Ankerer bekannt sein, die sich Hafengebühren ersparen möchten. Dabei geht es uns um die freie Ümgebung und die weite, immer wechselnde Sicht.

Mittwoch, 18. August
Wir segeln weiter, vorbei an der Mündung des Neuen Rheins in den Sporthafen von Bregenz. Wir liegen dort an einer Mooring, das ist selten am Bodensee. Wir treffen uns mit Joachim am „Milchpilz“ einem etwas unscheinbaren fliegenpilzartigen, kleinen Kiosk. Früher gabs in Bayern als Milchwerbung viele davon. Jetzt noch sechs und einer davon steht hier und steht unter Denkmalchutz, diese liebgewonnene Bregenzer Institution. Dann gutes Eis vom „Kolibri“. Gibts noch Karten für „Rigoletto“ auf der Seebühne? Alles ausverkauft laut Internet. Aber an der Kasse sind noch zwei Plätze in der Direktionsloge frei. Etwas teuer und wir gehen wieder raus – und gleich wieder zurück. Schließlich waren wir ein Jahr ohne Ausgaben für die Kultur.


Ganz oben, weiche Sessel, überdacht, beste Sicht. Man kann nur sagen: Spektakulär! Nicht das Stück selbst. Da gehts um Liebe, Verrat, Rache. Angestaubte Oper. Aber die Aufführung! Ein hausgroßer Clownkopf. Mund, Augen und Lieder bewegen sich, ja der ganze Kopf senkt, hebt und schwenkt sich. Eine Hand mit beweglichen Fingern. Überall hängen und stehen Schauspieler. Schon der Beginn ist ei Knaller. Im plötzlichen Scheinwerferlicht springt ein Clown aus der Stirn in 20m Höhe und begrüßt die Zuschauer. Rigolettos Tochter entschwebt nach ihrer Ermordung in einem gasgefüllten Fesselbalon weit über der Bühne.
Alles ist umgeben von der wunderbaren Bodenseeumgebung, den vielen Lichtern und den Spiegelungen auf dem See. Bis nach Mitternacht genießen wir die Nachstimmung im ruhigen Hafen auf der EOS.

Donnerstag 19. August
Heute segelt uns EOD das kurze Stück nach Lindau. Metzger Vinzenmurr gibts nicht mehr, Metzgerei Kleber schon noch für Weißwürste zum Weißwurstfrühstück in Lindau. Das gehört zu Lindau und geht nicht in Bregenz oder sonstwo.

Mittags setzen wir die Reise in den Wetterwinkel fort. Auf dem Grill werden zwei Halsgrat-Steaks zu gutem Abendessen verwandelt. Eine ruhige Vollmondnacht folgt

Freitag, 20. August
Ein sanfter, warmer Morgen. Kurz vor 7 Uhr holen wir den Anker ein. Wo bleiben die vielen Quaka-Muscheln an der Ankerkette vom Frühjahr? Ausgestorben? Ein fröhlicher Fischer holt gerade mit seiner Mutter sein Netz ein. Ein großer Felchen wechselt den Besitzer. Ein Rest Leben steckt noch in ihm. EOS steuert sich selbst und ich präpariere den Fisch küchenfertig. In Horn, unserem Ziel waren wir schon jahrelangt nicht mehr. Dort haben wir vor 15 Jahren EOS gekauft. Gerdi teilt den Fisch, damit er in die Pfanne passt. Er schmeckt mit den Salzkartoffeln wunderbar und geht leicht von den Gräten.

Samstag, 21. August
Mit der Zahnradbahn fahren wir in offenem Wagen hoch nach Heiden, dem etwas eigenartigen früheren Wellnessort für Naturliebende. Langsam spazieren wir abwärts durch kühle Wälder, über sonnige Wiesen. Im Wienachts Besenbeizli kehren wir ein. Die liebenswürdige Vietnamesin ist noch da. Ein schlimmes Schicksal hat ihre Gesundheit stark eingeschränkt. Das Asia-Lokalschiff drunten im alten Rhein konnte sie nicht mehr führen. Jetzt kocht sie hier mit ihrem lieben Partner. Unten in Rorschach lassen wir Ausstellung und Balkonkaffee linls liegen und nehmen den Zug nach Horn. Nachts öffnen sich die Wolken zur Abwechslung mit kurzer, gewaltiger Sturzflut, heftigem Wind. Ein Blitz folgt dem anderen. Ein schönes nächtliches Schauspiel.

Sonntag, 22. August
2 1/2 Kilometer nur zieht uns die Genua zum Ankerplatz vor Arbon. Mäßiger Wind ist angesagt. Ein Ruhetag in der Bucht vor Arbon. Nixxxtun, lesen. Oft sind wir hier am Anker. Was denken die Leute, sind wir Geizhälse, die ihre Hafenhebühren sparen möchten? Warum sind wir meistens alleine beim ankern während Schiffe in den Häfen im Päckchen liegen müssen?

Montag, 23. August
Nach ganz ruhiger Nacht segeln wir rüber nach Langenargen, mit halbem Wind. Der Automat steuert. Beim Edeka-Esslinger füllen wir die Rucksäcke mit allem, was die Segler für einige Tage so brauchen. Dann motoren wir rüber in den Ultramarin-Hafen. Ein schrecklicher Hafen! Nur Masten, eintausend? Zweitausend? Wir verirren uns zwischen den vielen verwinkelten Pontons. Für die Jahresüberholung muß EOS am 1. September aus dem Wasser. Wir klären das mit dem Hafenmeister. Beim Bootsservice und Segelmacher gabs auch noch etwas zu klären. Dann nichts wie raus aus dem Mastengewirr und mit Motorkraft zum Ankerplatz beim Airbus-Werk. Der Wetterbericht sagt für die späte Nacht Starkwind aus Nord voraus. Auf dem Grill liegen drei Lamkotteletten und Zwiebeln in der Folie. Schmeckt sehr gut!. Während die Sonne untergeht, hören wir Ulligundes fröhlichen Podcast. Für den zu erwartenden Starkwind liegen wir günstig und fahren den Anker mit geballter Motorkraft noch einmal ein.
Dienstag, 24. August
Der Wind bließ nicht so stark wie angekündigt, ein Starkwindchen. Aber er brachte Kälte aus Nordost. Gerdi friert. EOS schaukelt etwas und der Wind brummt in den Wanten. Ich glaube wir bleiben hier vor Fischbach.

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