Auf fremdem Schiff…

JULIUS heißt der alte Kutter mit zwei Masten, 7,5m lang, 2,15m breit, ca. 1000 kg schwer. Er liegt in Friedrichshafen und gehört dem Verein für sozialpädagogisches Segeln. Vergangene Woche durfte ich mit zwei ganz unterschiedlichen Gruppen auf ihm segeln.

Sieben Personen einer Gemeindediakonie, ältere und junge mit Einschränkungen sind am Mittwoch meine Gäste. Ist es gefährlich? Darf ich steuern? kippt das Boot?… oder so ähnlich sind die Fragen noch an Land. Alles ganz locker, keine Gefahr und jeder darf steuern! Ich glaube, da sitzt eine angenehme Gruppe auf den schmalen Bänken! Allen an Land wird zugewunken und die Landleute winken zurück. Draußen weht ein leichter und schöner Wind. Der kleine Motor hat ab jetzt Pause, statt dessen setze ich Segel. Da muss noch der Skipper ran. Aber dann übernehmen meine Gäste die Schoten und auch die Pinne. Klar, dass ich immer Beistand leiste und korrigiere. Es ist eine lustige Fahrt, ein Wort gibt das andere. Vieles ist schwer zu verstehen und muss vom Betreuer „übersetzt“ werden. Ein junger Gast kann sich kaum an Gesprächen und am „Arbeiten“ beteiligen. Die Betreuer versuchen ihn nach seinen Möglichkeiten einzubeziehen. So ist es eben bei diesen Gruppen: Trotz großer Unterschiede ist es eine harmonische, frohe Gemeinschaft. So segeln wir, machen Wenden und Halsen und freuen uns an den Wellen der großen Fahrgastschiffe. Es freut den Skipper, wenn sich nach dem Anlegen im Hafen die Gäste immer wieder bedanken und von den vergangenen Stunden begeister erzählen.

Eine andere Gruppe wollte zuerst am Samstag segeln. Der Wetterbericht hat aber vor Unwetter gewarnt und so haben wir alles auf den sonnigen Freitag vorverlegt. Was die alles dabei haben, sind meine Gedanken, als ich sie die Dachbox ausladen sehe. Zwei Familien mit drei Jugendlichen aus Berlin und ein Gast von der Ostsee. Nach den ersten Worten weiß ich: Das wird eine gute Reise. Zwei erfahrene Segler sind dabei. Beim Ausfahren geraten wir in einen Pulk Vorfahrt berechtigter Fahrgastschiffe. Mit Hafenrunde klappt das. Der schwache Wind draußen füllt die Segel gerade noch. Bei fröhlichen Gesprächen geht’s langsam dahin. Diese Besatzung hätte viel mehr Wind vertragen. Aber die Sonne scheint und das Lüftchen bringt uns vorwärts. Ein Wetter zum Baden. Im Bodensee baden, vom Schiff aus, ist auch ein Genuss. Einige lassen sich an einem Seil ziehen. Sogar zum Pullen kann ich sie animieren. Hätten sie die schweren Riemen gesehen, ob sie es dann noch gewollt hätten? Unser Marinespezialist aus Kiel hat es gut erläutert und das Kommando übernommen. Und es hat geklappt. Dann wurde aufgetischt! alles hausgemacht: Buletten, Kartoffelsalat nach Berliner Art, Nudelsalat, Würstl usw., alkoholfreies Radler, Grapefruitsaft. Vom ****-Restaurant Julius war die Rede.

Alles gezaubert auf dem Campingplatz in Litzelstetten im Zelt! Respekt!

Weit sind wir nicht gekommen, mehr kreuz und quer gefahren. Entfernung stand nicht im Vordergrund, statt dessen Freude und Abwechslung.

Wieder einer dieser schönen Tage auf dem See, mal nicht auf unserer EOS.

Da bedanke ich mich ganz herzlich bei den beiden Gruppen, dass ich sie skippern durfte.

Gerhard

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