Unterm Gewitterhimmel

Seit Tagen regiert ein mächtiges Hoch das Wettergeschehen. Die Medien melden „Gewitter während der nächsten Tage“. Im Hafen von Rorschach kühlt eine mächtige Linde unseren Liegeplatz. Die Würth Foundation bietet zwei Ausstellungen, aber der Blick vom Cafèbalkon auf den See spricht uns mehr an. Anderntags liegen wir wieder einmal vor der Mündung der Dornbirner Ache. Starkwindwarnung blitzt, aber keine Sturmwarnung. Der Himmel deutet Regen an ist aber weit von Weltuntergangsstimmung entfernt.

Alles sehr gemütlich bis sich auf einmal mächtige Staubfahnen an den nahen Sandbergen an der Rheinmündung bilden.

Da trifft EOS auch schon die erste Böe und legt das Schiff breitseits 30 Grad über. Sie sollte sich jetzt im Wind ausrichten, tut es aber nicht. Der große Anker kann sich im weichen Mudd nicht festkrallen. Wir treiben. Einem zweiten Ankerlieger geht es ebenso. Wir haben über 100 Meter Wasser zum treiben. Motor an und Anker hochholen! Mit viel Motorkraft steuern wir EOS gegen den Wind. Immer wieder wird sie zur Seite gedrückt und wir müssen sie mit fast voller Kraft wieder gegen den Wind ausrichten. Es regnet, aber das ist kein Problem. Das Boot der Österreichischen Wasserrettung kommt zu uns und bietet Beistand an. Wir signalisieren, dass wir alleine zurecht kommen. Kurz vor dem Rheindamm versuchen wir noch einmal zu ankern, aber vergeblich. Jetzt wollte ich unsere EOS mit dem Wind treiben lassen, weil uns 300 Meter Wasser zur Verfügung stehen. Aber in diesem Moment lässt der Wind nach. 2 Stunden hat die Aktion gedauert. Wir steuern wieder unseren Ankerplatz an, trocknen unser Regenzeug und genießen den Abend. und unser zweiter Ankerlieger ist auch wieder da.

Was können wir aus diesem Ereignis lernen? Wir haben uns, glaube ich, richtig verhalten. Ein Sturm wurde weder durch die Warnblitze noch im Internet angedeutet. Vielleicht hat der Himmel mit seinen verblasenen Wolken doch auf mehr Wind hingewiesen. Ganz dunkle Wolken deuten doch eher auf Wolkenbruch hin. Wäre noch fehlende Sicht durch Starkregen hinzugekommen, hätten uns GPS und Echolot den Weg gewiesen. Ein Motorausfall hätten wir wohl mit winziger Segelfläche überstehen können. Aber nach 3 Kilometern wäre der See zu Ende gewesen.

Am dritten Tag hat das Schwabenmeer noch einmal Gas gegeben (so schön schildert Martin das Wetter). Aber gebremst. Mit zwei Reffs eilten wir nach Kressbronn ins Baggerloch.

Dieser Hafenmoloch bietet zwar nichts schönes, aber vollkommene Ruhe. Die meisten Schiffe sind unter Planen verschwunden, keine Menschen beleben den Hafen. Aber die Vögel zwitschern und das Wasser liegt vollkommen unbewegt da. Schön, diese Ruhe nach all dem wilden segeln.

Im Schuppen 13, einem angesagten Restaurant mit gehobener Gastronomie genießen wir ganz besonderes Risotto, feine Nachtische und wie die Fachleute eine Fisch mit aller Kunst zerlegen.

Ein Kommentar zu „Unterm Gewitterhimmel

  1. Dankbar bin ich dass mein Skipper richtig entschied. Wir sind ein eingespieltes Team seit 40 Jahren. Davon 8 auf den südl.und nördl. Meeren. Ölzeug mit 1 Griff an u. Lifebelt umgeschnallt uns an Deck mit Lifelein eingeklinkt. Kurze Rufe…alles klappt. Noch kann ich mit 73 die Pinne stemmen… Und nie den Mut verlieren. Ps.91…Psalm 139,5 +9-10…

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