Die kleine Reise

Samstag vor dem Pfingstfest. EOS wird zum Lastensegler. Wir bringen ein Schränkchen nach Bregenz zum Joachim. Zur Zeit ist Reisen etwas umständlich. Ein Covid-19 Test und eine „Clearance“ für das österreichische Ausland sind nötig.

Dann treibt uns der starke achterliche Wind, die zweite Hälfte der Strecke  mit Schmetterlingssegeln im Eiltempo nach Bregenz in den Hafen. Joachim hat uns auf Google verfolgt und springt über. Dann kreuzen wir noch eine oder 2 Stunden in der Bregenzer Bucht, bevor wir zum Abendessen zurückfahren. Spargel aus Tettnang mit gehaltvoller Sauce und Kartoffeln gibts. Vorher bringen wir das Schränkchen aber noch zu Joachims Dachwohnung. Freut mich: Es passt genau. Schön wohnt er dort oben, etwas Sicht gibts auch. Gin Tonic gibts zum Abschied.

Das Wetter am Pfingstsonntag meint es gut mit den Menschen am ersten Tag nach den Corona-Einschränkungen. Viele Leute auf den Wegen, gut besuchte Gaststätten drinnen und draußen. Nur das Freibad ist menschenleer. Liegts am kalten Wasser? Bregenz bietet eine angenehme Altstadt, bewegt man sich nur etwas aus der quirligen Seegegend heraus und in die Höhe. Maßvoll erweiterte und gepflegte Häuser, ein Paar sitzt auf netten Klappstühlchen um einen runden Metalltisch und unterhält sich. Oben am Kirchplatz hat sich ein Senior mit Strohhut seinen Stuhl in die Sonne gerückt und liest. Ein kleines Häuschen nähert sich langsam dem Verfall, wird aber noch bewohnt und glänzt mit einer Auto-Elektrotankstelle. Auf der Rückseite wartet ein kleiner nicht mehr ganz kompletter grauer Austin Martin auf sein Ende oder eine aufwendige Restauration. Die  Verkehrszeichen mit ihren Personen drauf stammen aus der vorletzten Straßenschilder-Generation. Mitten drinnen warnt ein rätselhaftes Schild vor Flugzeuglärm. Dann tauchen wir wieder ins quirlige Leben ein.

Joachim kommt noch einmal zum Abendessen. Diesmal gibts zarte Lendchen mit Reis und Bohnen.

Barometer und Wetterbericht weisen auf Regen und kühle Temperaturen hin. Ein Katzensprung von 5 Kilometern führt uns zum Ankerplatz vor der Mündung der Dornbirner Ache. Ich tausche die Ventile unserer Toilette und hoffe auf Erfolg*. Draußen nutzen kleine Kinder die mächtigen Sandberge für ihre Zwecke. Der kleine Bruder immer als letzter den anderen nach. Ein wunderbarer Spielplatz!

Jetzt am anderen Vormittag lassen wir uns immer noch an diesem schönen Ankerplatz schaukeln. Die Sandberge gehören den Werktätigen. Der Schaufelbagger kippt eine Schaufel Sand nach der anderen auf schwere LKWs. So erreicht der ehemalige Alpenboden nicht einmal den Bodensee.

Die Nacht vorher war heftig. Kurz vor Mitternacht, wir gehen gerade zu Koje da brist es gewaltig auf. EOS zittert und lärmt. Nichts mit Koje. Ich sitze draußen unter der Sprayhood, Kissen im Rücken, Decke über den Beinen und beobachte den Standort. 7m Wassertiefe, 30 m Kette. Der Anker hält. Wunderbar, wenn man Anker und Kette vertrauen kann. Nach 2 Stunden ist die Front durch und ich tausche den Beobachtungsposten mit der Koje. Jetzt ist das Brummen und das sanfte Schaukeln angenehm und wiegt mich in den Schlaf.

Der nächste Tag ist windig, für unser Ziel gegen-windig. Wir bleiben noch einen Tag an diesem schönen Ort. Rentner haben Zeit. Abends eröffnen wir die Grillsaison mit drei saftigen Halssteaks und Salat. Der Supermond schiebt sich langsam übers Gebirge und versteckt sich gelegentlich hinter den flockigen Wolken. Wir schlafen gut.

Der letzte Tag beschert uns eigenartiges Wetter. Schöner Wind aus Südost und dann immer kräftigere Wellen aus Nordwest. Da kommt etwas auf uns zu. Wir erkennen Martin auf seiner Kulja. Das kleine Schiff müht sich langsam Friedrichshafen zu. Wir wollen versuchen ihn zu schleppen. In diesem Augenblick wechselt der Wind und bläst aus West. Schleppen nicht mehr nötig. Der Wind legt zu und wir reffen beide Segel. Also ein schöner Abschluss dieser angenehmen Tage.

*Die Reparatur war erfolgreich

Ein Kommentar zu „Die kleine Reise

  1. Nachtrag: es gab meine griechisch marinierten Lamm-Filets im Bregenzer Hafen. Rückreise am Mittwoch: Meerig hohe Wellen und Kreuzsee … Eos kann das – und ich auch. Gh refft- ich steuere alles bis in unsren FN-Heimathafen. Wieder mal fast NUR mit Windkraft ans See-Ende in Bregenz und zurück- dem Wind sei Dank. Und ein Dank nach oben für die Bewahrung in der Nacht am Anker.

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